peinliche Bochumer Ackermann-Posse

Jetzt hat Ackermann seinen Auftritt im Bochumer Schauspielhaus abgesagt. Das Ganze war an pseudopeinlicher Empörung im Vorfeld nicht zu überbieten. Ich bin wahrlich kein Freund von Josef Ackermann, aber vom Schauspielhaus und der Politik zu fordern, ihn auszuladen, ist einfach nur armselig und intolerant.

Man kann trefflich darüber streiten, ob man ausgerechnet jemenden wie Herrn Ackermann zu einem Thema wie “Die Zukunft der Finanzmärkte” einladen muss, aber spannend wäre doch gewesen, ihn inhaltlich zu stellen, seine Position zu hinterfragen, sich mit ihm und seiner Sicht auseinanderzusetzen.

Es hat schon einen mehr als schalen Beigeschmack, wenn ausgerechnet Künstler wie Frank-Patrick Steckel oder sogar ein Bochumer Richter eine Ausladung Ackermanns fordern. Ein trauriges Lehrstück in Sachen Toleranz, Meinungsfreiheit und Demokratieverständnis.

Und mindestens genauso peinlich ist am Ende, dass sich ein Medium wie die WAZ bzw. DerWesten nicht blöd genug sind, zu diesem Quatsch noch ein Online-Voting zu machen, um dem Pöbel eine Stimme zu geben und die Empörungswelle mitzusurfen. Springer-Niveau und Klickgeilheit lassen grüßen.

Am Ende kann man nur einmal mehr feststellen, das Bochum sich imagetechnisch munter weiter demontiert. Einfach nur traurig.

Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse

Bildrechte: Ponte 1112

Ich bin bekennender Radfahrer. Teils der Umwelt zuliebe, teils aus reiner Bequemlichkeit weil ich nicht gerne laufe.

Immer wieder treibt mir dabei der Zustand des kommunalen Radwegenetzes in Bochum die Zornesröte ins Gesicht. Radwege sind aufgrund sich hochdrückender Baumwurzeln, maroder Pflasterung oder dreist parkender Autos nicht nutzbar. Und wenn sie es denn sind, enden sie oftmals abrupt im Nirwana.

Gerade im Herbst und Winter setzen die kommunalen Radwegeverwalter im ganzen Spiel zur finalen Blutgrätsche an. Radwege sind unbeleuchtet und werden weder entlaubt noch vom Schnee befreit. Ich weiß nicht, ob es über die Vorstellungskraft der Planer geht, dass es Menschen mit der Änderung ihres Mobilitätsverhaltens ernst meinen und aufs Rad umsteigen. Oder steckt gar eine perfide Strategie dahinter, die Menschen in den chronisch defizitären und in diesen Monaten ach so virenschwangeren öffentlichen Nahverkehr zu zwingen? Man weiß ja nie.

Ich würde diesen Menschen gerne die rote Karte zeigen und sie wegen üblen Fouls und Spielbehinderung vom Platz stellen. So wird das mit der lokalen Klima-Agenda jedenfalls nix. Aber es ist natürlich viel schöner, sich mit Opels neuestem Elektroautoprojekt im Licht der Presse zu sonnen, als sich mit solch profanem Zeug wie Radwegen auseinanderzusetzen. Ich fürchte nur, dass mit dieser Strategie der Zwangs-Abstieg in die zweite wenn nicht gar die dritte Klima- und Mobilitäts-Liga vorprogrammiert ist. Im Kulturbereich hat man das ja schon erfolgreich vorgemacht.

Bochum, sechs, setzen!

Bildquelle: Ponte112

Statt Wahlberichterstattung herrscht Sommerlochödnis bei WAZ und Der Westen

Dass die morgendliche Lektüre der WAZ regelmäßigdazu führt, dass mein Blutdruck steigt und ich so richtig in Wallung gerate, ist ja hinlänglich bekannt. Immer wieder frage ich mich, was Redakteure dazu veranlasst, eine dreiviertel Titelseite über kollabierende Hunde, deren hilflose Frauchen und selbstlose Retterinnen zu opfern.

Es ist Sommerloch. Soweit. So schlecht.

Heute in 24 Tagen sind in NRW Kommunalwahlen. Die Innenstädte sind zugepflastert mit Wahlplakaten, die parteiübergreifend kaum aussageloser sein könnten. In der heutigen Lokalausgabe der Bochumer WAZ werden diese Plakate dann küchenpsychologisch gedeutet. Es kommt, wie es kommen muss – inhaltslose Plakate lassen auch keine inhaltliche Analyse zu. Erneut völlig überflüssiger Sommerloch-Content.

Die Leser (und Wähler) interessieren doch in Wahrheit andere Dinge. Sie möchten doch auch wissen, welche Menschen, Ziele und Programme hinter den Pappköpfen an Bäumen und Straßenrändern stehen. Warum kommt man in den Redaktionsstuben nicht einfach mal auf die Idee, den Kandidaten fünf kurze, aber gehaltvolle Fragen zu stellen, und diese nebeneinander vergleichbar in einer Ausgabe zu veröffentlichen. Einfach produzierter Inhalt – große Wirkung.

Und damit sich die Verantwortlichen nicht selbst ihr lokaljournalistisches Köpfchen zermatern müssen, habe ich einfach mal ein paar Fragen vorformuliert:

  1. Bitte stellen Sie sich kurz und knapp in nicht mehr als 300 Zeichen vor!
  2. Was hat Sie bewogen, politisch aktiv zu werden?
  3. Welche Schwerpunkte möchten Sie in den kommenden Jahren kommunalpolitisch in Ihrer Arbeit setzen?
  4. Was möchten Sie ganz konkret und für die Wähler auch messbar bis zur nächsten Wahl für Ihre Stadt erreicht haben?
  5. In 140 Zeichen bitte: Warum sollten die Wählerinnen und Wähler Sie wählen?

Wie wäre es, liebe Damen und Herren Redakteure? Ich bin sicher, dass es viele Leserinnen und Leser gibt, die schon auf die Beantwortung der Fragen hinfiebern.

EDIT 07.08.09:

Bei “Der Westen” zeigt man sich im twitter-Stream ganz schön dünnhäutig und verweist auf das “gehaltvolle” Wahlkampfblog.

Mehr.

Das Versprechen.