Im Atmen innehalten

Wir sind hier angekommen
Ohne es wahrzunehmen
Hier wo die Nacht nicht dunkel wird
Und der Tag nie wirklich hell
Kein Wind bewegt die Stille
Die Luft ist regungslos
Als wenn die Welt an diesem Ort
In ihrem Atmen innehält

Wir spüren es unter unserer Haut
Wie sich die Zukunft in den Winkeln unserer Körper staut

Hier wo die Zeit still steht
Während die Welt sich dreht
Mitten im Herz des Wirbelsturms
Können wir das leise Zittern fühlen
Das die Luft um uns erfüllt
Für einen endlosen Moment
Wenn man im Atmen innehält

[Text: Kante; reinhören auf www.kantemusik.de]

Kindermund: Jazz’n Junior

Der Junior ist jetzt drei Jahre alt. Und er mag Musik. Zumnindest singt er gern und freut sich gar, wenn sein alter Herr (das bin ich) hin und wieder die Gitarre vom Schrank holt, und das ein oder andere Kinderlied auf ihr schrammelt.

So begab es sich dann auch, dass ich – naiv, wie ich nunmal bin – glaubte, die Zeit sei nun gekommen, den Junior in die Weihen der wahren Musik – also des gepflegten Jazz – einzführen. Sich dessen bewusst, dass es für den Start durchaus etwas Mainstreamigeres sein dürfe, griff ich zu leichter Kost. Till Brönner sollte es sein. Also ein Künstler, an dem man in fortgeschrittener Jugend des Nachwuchses irgendwann auch mal mahnend erklären könnte, wo man als begnadeter Musiker enden kann, wenn man seine Seele verkauft. Nämlich als aalglatter Castingjuror in einer drittklassigen Musikshow.

Aber ich schweife ab. Ich schob also den Silberling mit einem der frühen Werke Brönners ins Laufwerk, die Musik begann. Der Junior lauschte einen Moment irritiert, dass Rolf Zuckowski bzw. Volker Rosin, diese Elternohrenschinder, auf einmal so anders klangen. Dann blickte er mich verstört an und sagte mit fester Stimme:

Papi, das klingt wie eine Müllabfuhr.

Jetzt, wo ich meine in Scherben darniederliegende Contenance mühsam wieder eingesammelt habe, muss ich sagen, manche Dinge sollte man einfach wachsen lassen und keinesfalls forcieren. Da sieht man mal wieder, welche Narben übertriebener Ehrgeiz auf elterlichen Seelen hinterlassen kann.

In diesem Sinne: “Gut Pfad!”

Gedanken über Musik

Jazztrompeter im Central Park, New York

Mein Leben ist ohne Musik undenkbar. Schon als Kind war ich umgeben von Musik, habe sie in mich aufgesogen. Bei uns zu Hause war immer Musik in der Luft. Schon ganz früh habe ich selbst Musik gemacht. Unverordnet, ohne Zwang – einfach einem inneren Impuls folgend.

Musik war immer da. Egal, ob ich sie nun hören oder spielen konnte. Auch in der Stille war und ist sie in meinem Kopf. Sie ist Zufluchtsort, Herausforderung, Gutelaunemacher. An und mit Musik durfte ich wachsen. Sie hat mich verändert, so, wie auch ich sie verändert habe. Denn die Musik von früher war eine andere als die Musik von heute. Ganze Lebensphasen hat sie geprägt. Quasi wie ein Soundtrack zu bestimmten Ereignissen. Noch heute tauchen Bilder vor meinen Augen auf, wenn ich bestimmte Stücke höre. Oder ich denke an Musik, wenn ich bestimmte Dinge sehe.

Musik war und ist wie ein warmer Mantel, der mich umgibt und in den ich mich jederzeit hüllen kann. Sie sagt viel über mich aus und ich bin sicher, wer meine Musik kennt, der kennt auch mich ein Stück weit. Musik ist ein Stück Heimat, das ich immer in trage. Das ging mir vor einigen Monaten mal durch den Kopf. Und genau so ist es. Ein schönes, frohes und auch tröstliches Gefühl.

Auf die Ohren: Wolfgang Haffner – Heart of the Matter

Seit gefühlten Ewigkeiten habe ich die eigentlich Wurzel dieses Blogs vernachlässigt, den gepflegten Jazz. Dabei waren auch die zurückliegenden Monate und Jahre sehr wesentlich geprägt von guter Musik. Ob live oder aus der Konserve. Höchste Zeit, die gute alte Musik-Kritik wieder zu beleben.

Albumcover "Heart of the Matter" von Wolfgang HaffnerStarten möchte ich mit einer Album-Empfehlung eines von mir sehr geschätzten Musikers, der mich schon seit Jahren begleitet. Die Rede ist von Wolfgang Haffner. Haffner ist mehr als nur ein herausragend guter Schlagzeuger. Er kreiert Klangwelten, in denen man geradezu versinken kann. Seine aktuellen, bereit im Oktober 2012 erschienenen Album “Heart of the Matter” merkt man die Umgebung an, in der es entstanden ist. Haffner lebt bereits seit einigen Jahren auf Ibiza. Meine absoluten Favoriten des Albums sind die Titel “Between a Smile and a Tear” und “Melodia del Viento”. Die Grooves dieser Titel umgeben einen wie ein warmer Seewind an einem lauen Sommerabend am Meer.

Es sind Songs zum Abschalten, Wegdenken, Träumen. Sie sind geradzu dazu geschaffen, den Gedanken freien Lauf zu lassen. Auf dem Album lässt sich Haffner von herausragenden Kollegen wie Till Brönner, Götz Alsmann, Dominic Miller oder Eythor Gunnarsson begleiten. Auch Thomas Quasthoff, der sich sehr zu meinem Leidwesen mittlerweile aus dem aktiven Musikgeschäft zurückgezogen hat, kommt hier noch einmal zu Ehren.

Alles in allem ein echter Hörgenuss und eine Kaufempfehlung. Hört einfach mal rein.

In Kürze geht Haffner übrigens auch auf Tour. So ist er am 10. März in Dortmund im Konzerthaus zu hören.

Mehr über Wolfgang Haffner findet Ihr hier:

 

Tipp: Perfekte Weihnachtsstimmung mit Bugge Wesseltoft

Als ich beim Bochumer Marketing-Award mit dem Pfarrer der Christuskirche, Thomas Wessel, ins Gespräch kam, weiteten sich irgendwann meine Augen und glänzten. Pfarrer Wessel hatte mich netterweise auf eines der wohl schönsten Weihnachtskonzerte aufmerksam gemacht, die ich mir nur vorstellen kann.

Bugge Wesseltoft, DER skandinavische Jazzpianist schlechthin, kommt am 30. November um 20 Uhr in die wunderschöne Christuskirche um sein berühmtes Weihnachtsalbum “It’s snowing on my piano” live zu spielen. Es ist eines von nur fünf europaweiten Konzerten.

Ich kenne kein Weihnachtsalbum mit ähnlich viel Tiefgang, das wunderbare Weihnachtsstimmung transportiert. Also, unbedingt hingehen.

Auch Nils Landgren kommt mit seinen Freunden wieder in die Christuskirche und wird wohl wieder ein wunderbar entspanntes, jazziges Weihnachtsmusikfeuerwerk abbrennen. Auch das Konzert sei wärmstens empfohlen.

Love 2 von Air – die perfekte Sonntagnachmittag-Musik

Ganz großes Ohrenkino ist es geworden, das neue Album von Air. Keine große Überraschung, aber kontinuierlich gut gepflegter Elektropop wie von den Herren gewohnt.

Wer es käuflich erwerben mag, der folge einfach diesem unauffälligen Amazon-Link.

PS: Im Januar und Februar 2010 sind die Herren in Deutschland auf Tournee!

jazzlounge: bossa_nova – traditional_green

01. Jodel – João Donato – 03:14
02. Samba Saravah – Stacey Kent – 03:50
03. Lamento – Antônio Carlos Jobim – 02:42
04. Cada Beijo – Bebel Gilberto – 04:26
05. Amor Em Paz – Herbie Mann – 02:39
06. A Taste of Honey – Quincy Jones – 02:56
07. Velhos Tempos – Charlie Rouse – 04:48
08. quiet nights – [re:jazz] – 04:00
09. One Note Samba (Samba De Uma Nota Só) - Nancy Wilson – 02:00
10. Corcovado - Stan Getz meets Joao & Astrud Gilberto – 02:46
11. Say The Words – Matt Bianco – 03:42
12. Wave – Ella Fitzgerald – 05:20
13. O Que Será (À Flor Da Pele) – Till Brönner – 05:25
14. Agua De Beber – Astrud Gilberto – 02:19
15. Somewhere In The Hills - Sergio Mendes Feat. Natalie Cole – 04:01
16. Velho Riacho – Milton Nascimento & Jobim Trio – 02:43

Nach langer Zeit der Stille hat es mich Ende 2008 mal wieder gejuckt, feine Musik zusammenzustellen. Und was lag in diesem Jahr näher, als den 50. Geburtstag des Bossa Nova zum Anlass zu nehmen, die CD-Sammlung nach neuen und alten Bossa-Perlen zu durchforsten. Herausgekommen sind dabei zwei Compilations.

Die eine mit eher traditionellen Bossa-Nummern, die andere – in kürze nachzureichende – mit neuen und/oder geremixten Bossa-Nummern. Ich hoffe bei beiden, dass es genau die richtige Musik ist, um ein Stück sommerlicher Leichtigkeit in die langen und dunklen Winterabende zu retten.

Wie immer ist hinter jedem Titel der Link zum Album bei amazon verborgen. Falls die Zusammenstellung Lust macht, mal reinzuhören oder gar die eigene Sammlung zu vergrößern.

North-Sea-Jazz-Festival, Rotterdam – Vorfreude …

North Sea Jazz Festival

… ist die schönste Freude. Seit vielen Jahren versuche ich schon, dieses Festival in meinem Terminkalender unterzubringen. Nun ist es zum ersten Mal gelungen, und ich freue mich riesig.

Drei Tage voller feinster Musik in einer hoffentlich inspirierenden Umgebung. Das Line-Up verspricht schon Genuss der allerersten Klasse:

  • George Benson
  • Toots Thielemanns
  • Joshua Redman
  • Dianne Reeves
  • Lizz Wright
  • BB King
  • Duffy
  • Lee Ritenour
  • Rou Hargrove
  • Kyoto Jazz Massive
  • Dhafer Youssef
  • John Zorn
  • Jamie Cullum
  • Randy Crawford & Joe Sample
  • Burt Bacharach
  • Silje Nergaard
  • Richard Galliano
  • Amos Lee
  • Brad Mehldau
  • Candy Dulfer
  • Bill Frisell & John Scofield
  • Melody Gardot
  • Seal
  • Adele
  • Steve Winwood
  • Herbie Hancock & Lang Lang
  • Wynton Marsalis
  • Jazzanova
  • ….

Fest steht, dass ich mich schon jetzt am liebsten vierteilen würde, um alles erleben zu können. Das werden Tage an denen man Farben und Töne für den Rest des Jahres sammeln wird …

Achja, und ich freue mich sie und ihn dort zu treffen.