Oma’s Beste

Oma und Opa in den 60ernDass ich meine alte Oma sehr gemocht habe, schrieb ich ja schon des Öfteren. Sie war eine ziemlich selbstbewusste und mutige Frau. Zumindest, wenn man ihr Leben im Kontext ihrer Lebenszeit betrachtet. Doch das soll jetzt hier nicht das Thema sein. Thema sind vielmehr ihre kleinen Sprüche und Lebensweisheiten, die sie mir und meiner Familie mitgegeben hat und die sie bis heute auf wunderbare Weise lebendig halten.

Ich bewege schon seit längerem die Idee in mir, diese schönen Sätze irgendwie zu verewigen und ihr damit ein kleines Denkmal zu setzen. Jeder Depp kann heute T-Shirts mit bisweilen sinnentleerten Phrasen auf den Markt werfen und die Leute kaufen das Zeug. Von “Ich habe keine Payback-Karte” bishin zu “Das ist so. Akzeptieren Sie es einfach.” ist nahezu alles käuflich. Warum sollte ich nicht also auch die wunderbaren, kleinen Weisheiten meiner Oma vermarkten.

Doch vielleicht sind es nicht nur die Weisheiten meiner Oma, die sich lohnen auf schönen Kleidungsstücken verewigt zu werden.

Was sind Eure schönsten “Spracherbstücke”? Mit welchem Satz würdet Ihr gern Eure Eltern oder Großeltern unsterblich machen?

Ich würde mich riesig freuen, wenn ihr sie einfach in die Kommentare haut. Vielleicht wird ja eine richtig schöne Kampagne draus.

Also, ran an die Tasten und bitte fleißig weitersagen.

Omatag oder "Irgendwas von Dir beibt hier …"

Gestern hat sich zum 13ten Mal der Tag gejährt, an dem meine Lieblingsoma gestorben ist. Sie war die letzte meiner Omas und Opas und zugleich diejenige, die mich am meisten geprägt hat.

Auch wenn unser Altersabstand mit 72 Jahren sehr groß war, habe ich immer eine große Nähe zu ihr verspürt. Sie gab mir in schwierigen Situationen Rückhalt und war mir in ihrer Unabhängigkeit und ihrem nahezu unerschütterlichen Optimismus Vorbild. Sie arbeitete bereits in den 20er Jahren als Köchin und kam dabei vom Rheintal bis nach Helgoland ganz schön herum.

Viel zu früh starb Anfang der 60er Jahre dann mein Opa. Doch ihre innere Unabhängigkeit hat sie sich bewahrt. Weiter fuhr sie in Urlaub, unterstützte ihre Familie und kümmerte sich liebevoll um uns Enkel. Noch heute vergeht kaum eine Familienfeier, ohne dass irgendwann Dönekes von ihr zum besten gegeben werden. Legendär waren ihre zu Weihnachten präparierten Walnüsse, die mit Markstücken gefüllt waren. Auch ihr Heringssalat, dessen Rezept sie uns partout nicht verraten wollte, wird bei diesen Gelegenheiten immer wieder vermisst.

Oma war eine stolze Frau mit unerschütterlichem Lebensmut und -willen. In vielem war sie mir Vorbild. Ganz nachhaltig ist mir ein Satz in Erinnerung geblieben, den sie mir immer wieder in schönstem Ruhrdeutsch sagte, wenn an Tagen so gar nichts zusammenlief:

“Junge, et gibt Tage, da tuste bei.”

Noch heute zaubert mir der Gedanke an diesen Satz ein leises Grinsen ins Gesicht. Er relativiert an Tagen, an denen alles schief zu laufen scheint, das Selbstmitleid und lässt mich Abstand zu den Dingen gewinnen. Irgendwann habe ich beschlossen, diese Tage im Gedenken an Oma auch “Omatage” zu nennen.

Wenn ich diesen Satz nun im Freundes- oder Kollegenkreis erzähle, spüre ich auch hier das innere Grinsen. Ihr Satz wird adaptiert und immer wieder zitiert. Ich freue mich in diesen Momenten, dass sie so auch in den Gedanken und Herzen von Menschen ihren Platz findet, die sie nie kennenlernen durften.

Im nächsten Jahr wird ihr Grab eingeebnet. Es wird dann keinen Ort mehr geben, an dem ich sie besuchen und stille Zwiesprache mit ihr halten kann. Umso mehr bin ich froh, diesen Satz und viele weitere schöne Erinnerungen in mir zu tragen. Oder, um es mit Trude Herrs Worten zu sagen:

“Irgendwas von ihr bleibt hier …”