Von Geschenken und Schleifen

Der Junior ist momentan einfach Zucker. Lieb, geduldig, sonnig.

Da kann einem schonmal das Herz aufgehen, und dann man sagt Dinge wie:

“Junior, Du bist ein ganz großes Geschenk für mich.”

Als Antwort kommt dann prompt und ganz verschmitzt:

“Aber Papi, ich hab’ doch gar keine Schleife auf dem Kopf.”

Wisst Ihr Bescheid.

Ich werte das mal als Blogparadenbeitrag des kleinen Mannes.

Kindgerechte Karnevalskommunikation

Um es vorweg zu nehmen, ich bin kein Freund künstlich importierten Brauchtums. Karneval im Rheinland, prima. Fassenacht in Mainz, kann man machen. Auch Basel soll ja zur fünften Jahreszeit ganz nett sein. Aber in meiner lokalen Lebenswelt mutet dieses saisonale Brauchtum bestenfalls wie gewollt, niemals jedoch wie gekonnt an. Zumindest, wenn es um die Straßen- oder Kneipenvariante geht.

Aber wenn man Kinder hat, gehen die Uhren ja bekanntlich anders und man entwickelt bisweilen nie gekannte Opferbereitschaft. So auch heute wieder. Da der Junior seine Lust zur Verkleidung entdeckt hat und Oma und Opa zufällig in unmittelbarer Streckennähe residieren, wollten wir zum Zug. Und genauso kündigten wir dem Junior das auch an.

Als wir dann inmitten weiterer 29.998 zu weiten Teilen bereits volltrunkener Jecken weilten und uns warmschunkelten, wuchs langsam die Ungeduld. Denn der Zug wollte und wollte nicht kommen. Und als dann endlich der erste Trecker mit gefährlich wankendem und an indische Beladungsverhältnisse erinnerndem Anhänger und Musik, die als solche vor lauter Durchdiedosegepupse nicht mehr erkennbar war, an uns vorbei rollte, stand dem Junior die Enttäuschung geradezu ins Gesicht geschrieben. Selbst Festkommitteewagen, Blaulichteinsatz, kiloweise Kamelle und im Kreis laufende Blasmusikkapellen konnten seine Laune während der nachfolgenden 90 Minuten nicht wesentlich erhellen.

Nachdem die väterlichen Schultern gut durchgesessen und der darauf ruhende Junior kurz vor der Gefrierstarre stand, brachen wir wieder auf ins großelterliche Domizil. Dort angekommen stürzte der kleine Mann dann auf seine Oma zu und rief: “Es war sooooo langweilig, Oma. Nur blöde Trecker, aber kein einziger Zug. Papi hat Quatsch erzählt Da geh’ ich nicht mehr hin.

Nächstes Jahr fahren wir nach Köln. Mit dem Zug. Zum Zug. Echtes Brauchtum, echte Züge. Da sollte dann für alle was dabei sein.

Glück auf.

Mannhaft ausgestanden

Urkunde

Wir waren ja neulich im Urlaub. Und der Junior war mit. Abends war in der Anlage, in der wir unser Teilzeitdomizil aufgeschlagen hatten, regelmäßig Minidisco. Der Junior bestand allabendlich auf seiner Teilnahme, denn N., seine vierjährige Urlaubsfreundin, war schließlich auch dort.

Eines Abends spielten die Kinder dann Steh-Tanz. Als männlicher Leser ist Ihnen das vertraut. Es läuft Musik und Sie stehen auf oder neben der Tanzfläche rum und beobachten stumm und unbeweglich das Geschehen. Im Idealfall fungieren Sie noch als Getränkehalter für Ihre sich auf der Tanzfläche verausgabende bessere Hälfte. Mein These ist ja, das uns dieses Verhalten quasi in die Wiege gelegt wurde. Sie wissen schon, dieses Ding mit den Genen für die wir nix können.

Der Junior hat diese Theses jedenfalls auf grandiose Art und Weise bestätigt. Er stand beim Steh-Tanz tapfer mit verschränkten Armen inmitten tanzender Kinder und bewegte sich kein Stück. In der Konsequenz führte das natürlich zu einem souveränen Sieg, denn keines der anderen Kinder stand beim Abschalten der Musik derart schnell, wie unser Junior. Und so erwarb er mit großer Würde und Souveränität seine erste Ehrenurkunde.

Ich bin stolz auf den kleinen Mann. Und irgendwie erinnerte mich das an einen Text, den ich drüben bei den geschätzten Buddenbohms letztens las.