Mettikette – Plädoyer für einen würdevollen Umgang mit Mett

Bildquelle: qw8dl auf flickr

Spätestens seit die sozialen Netzwerke Mett als Grundnahrungsmittel entdeckt haben und Veranstaltungen wie twettwochs, meetups und internationale Tage des Metts ihren Lauf nehmen, ist es Zeit, dem Mett seine Würde zurückzugeben. Was hat man nicht alles schon für unschöne Dinge aus Mett erblicken müssen, was für durchgelabberte Mettbrötchen wurden einem schon feil geboten?

Höchste Eisenbahn für eine Mettikette, wie ich meine. Gerne könnt Ihr sie in den Kommentaren nach Belieben ergänzen:

  1. Das Mett muss frisch (nicht älter als 3 bis 4 Stunden). Am besten natürlich Bio. Bitte kein Pseudomett aus dem Schlauch.
  2. Ins Mett gehören keine Kräuter. Sonst könnt Ihr auch den Schnitt vom letzten Rasenmähen essen.
  3. Unter das Mett gehört ein frisches, knuspriges (!!!) Brötchen. Bitte keine Aufback- oder Vorabendware.
  4. Zwischen Mett und Brötchen gehört gute Butter.
  5. Mettbrötchen werden nach der Zubereitung sofort verzehrt. Insbesondere der Transport unter “Frischhaltefolie” ist strengstens untersagt.
  6. Mettigel sind strikt zu vermeiden. Oder wie würdet Ihr Euch in einer Stachelschweinverkleidung fühlen?
  7. Falls doch Mettigel, so gehören keinesfalls Salzstangen darauf. Der Erfinder dieser Variante gehört mit Altmettkonsum nicht unter 5 Jahren bestraft. Bei der Mettigelgestaltung sind ganze, geschälte Mandeln zu benutzen.
  8. Auf das Mettbrötchen gehören ausschließlich, und ich betone noch einmal, auschließlich fein (!!!) geschnittene oder gehackte Schalotten. Bitte keine groben Gemüsezwiebeln, die den Geschmack übertünchen und nach deren Konsum man noch zehn Meilen gegen den Wind danach riecht.
  9. Als Würze sind ausschließlich frisch gemahlener Pfeffer, sowie Salz in Maßen erlaubt.
  10. Nach dem Mettkonsum bitte Zahnseide benutzen. Es ist einfach nicht schön, wenn der Chef am nächsten Morgen noch sieht, was es gestern zu Essen gab.

Wenn Ihr diese Regeln fein beachtet, steht einem würdevollen Mettvergüngen nichts mehr im Wege.

In diesem Sinne “Glück auf” und “nice to mett you” ;-)

Von Currywürsten und Kernkompetenzen

Bratwursthaus im Bochumer Bermuda3eck Im Bochumer Bermuda3eck gibt es eine Institution – das Bratwursthaus. Dort gab und gibt es schon seit jeher die beste Currywurst des Reviers. Ein “Gedeck” bestand immer aus einer Dönninghaus-Wurst, der Original Döninghaus-Currysoße und einem frischen halben Brötchen. Vor oder nach einem Kneipen- oder Kinobesuch war es mehr oder minder Pflicht, sich schnell am Bratwursthaus zu stärken. Für ehrliche 2,20 EUR gab es ruckzuck das gewünschte Gedeck. So einfach, so gut.

Vor wenigen Wochen wurde das Bratwursthaus nun erweitert. Die ehemalige “Bude” des “Grobschnitts”, bei dem es bis vor wenigen Monaten Pommes in allen Varianten gab, wurde quasi integriert. Und auf einmal bietet das bisher ausschließlich auf den Wurstverkauf spezialisierte Bratwursthaus auch Pommes an. Nun könnte man meinen, das ist doch eine logische und konsequente Erweiterung der Produktpalette. Quasi eine Diversifizierung im Sinne Edzard Reuters.

Nun, wohin die Diversifizierung bei Daimler geführt hat, ist ja hinlänglich bekannt. Sie hätte den Konzern beinahe den Fortbestand gekostet. So schlimm wird es mit dem Bratwursthaus hoffentlich nicht kommen, aber erste gravierende Veränderungen in der Service-Qualität sind spürbar.

So gerät man wochenends nun gerne in Warteschlangen, in denen sich auch Kulturstadttouristen den Luxus dieser Revierspezialität gönnen. “Hanoi, is dös net die Wurschtbude, über die Grönemeyer sein Lied geschribbe hat?” hesselt es in der Großfamilie vor sich hin, die in der Warteschlange vor mir steht.

Ich bin kurz versucht, aufklärend einzugreifen und darauf hinzuweisen, dass der Song “Currywurst” keineswegs von unserem “Kulturexport” Herbert Grönemeyer stammt sondern vielmehr vom leider schon verstorbenen Kultkomiker Diehter Krebs aus der Nachbarstadt. Aber ich erspare mir und den vor mir Wartenden die Besserwisserei, schließlich habe ich Heißhunger.

Doch dann nimmt das Unheil seinen weiteren Verlauf, wird vor mir doch jetzt ausdiskutiert, wer in der fünfköpfigen Familie was bestellen möchte. “Isch möcht eine Mantaschale” wirft der Outdoorbejackte Familienvater stolz in den Ring. Der hat wohl einst die Ruhrkultur über Tina Ruhland und Till Schweiger in “Manta, Manta” in sich aufgesogen. Der pubertierende und baseballbekappte Sohn will dem Wissen seines Vaters in nichts nachstehen und fordert für sich lautstark eine “Pommes Schranke” ein. “Is dös net das gleiche?” fragt Hessenvattern etwas verdattert.

Auch hier bin ich versucht, aufklärend einzugreifen, und den Unterschied zwischen “Mantaschale” (Pommes, Ketchup, Majo, Currywurst) und “Pommes Schranke” (Pommes, Ketchup, Majo – also “rotweiß”) zu erklären. Aber das überlasse ich dann doch lieber den geduldigen und freundlichen Damen hinter dem Tresen. Nach gefühlten 15 Minuten hat man sich vor mir auf die Bestellung geeinigt, was in weiteren, ebenfalls gefühlten 15 Minuten Wartezeit für mich endet. Auch den Wartenden in der Nebenschlange am neuen, zweiten Schalter geht es nicht viel besser. Die Pommesbestellungen verzögern den bisher äußerst zügigen Lieferprozess der Currywurst-Gedecke enorm. Und dann ist auch die Wurst, die ich erhalte, total verbrutzelt und hat eine trockene Pelle. Kein Wunder bei der langen Pommeswartezeit. Unter dem Krakeelen des neuen Plasmafernsehers, der im “Aufenthaltsbereich” der Bude angebracht ist, stopfe ich mir frustriert meine Wurst rein und freue mich auf mein anschließendes ehrliches 1,20-Pils in der “Pinte” gegenüber.

“Früher war alles besser. Wir hatten zwar nix, aber mit der Currywurst hat es wenigstens funktioniert” seufze ich still vor mich hin und bin dabei ein klitzekleines bisschen genervt. Klammheimlich wünsche ich mir eine Rückbesinnung auf die Kernkompetenz “Currywurst”. Zumal es zwei Steinwürfe weiter mit “max Frituur” die absolute Kernkompetenz in Sachen belgischer Fritten aus frischen Kartoffeln gibt. Echte Arbeitsteilung im Bermuda3eck eben.

Wie gerne würde ich jetzt Edzard Reuter (Gott hab ihn selig) in die immer länger werdende Schlange stellen und beim eigenen Leib erfahren lassen, was es heißt, wenn man sich ohne Not diversifiziert und seine klassischen Kernkompetenzen vernachlässigt.

Was bleibt ist ein fader Beigeschmack und die Formulierung einer dringenden Bitte:

Liebes Team vom Bratwursthaus.

Um Eure Stammkunden in Sachen Currywurst nicht komplett zu verprellen, hätte ich da eine Anregung. Macht doch aus einem Eurer beiden “Schalter” einen Express-Currywurst-Schalter. So könntet Ihr über eine Optimierung der Service-Prozesse immerhin Eure Stammkundschaft angemessen befriedigen und diesen Teil des Geschäfts optimieren.

Glück auf, Euer Stammkunde