Ich sitze im Foyer des Düsseldorfer Maritim-Hotels, warte auf den Einlass zur Gala des Deutschen Nachhaltigkeitspreises und lasse den heutigen Tag In Gedanken Revue passieren.

Der Tag begann mit einem Paukenschlag. Sina Trinkwalder, Gründerin und Macherin von manomama hat heute gemeinsam mit dem Trendforscher Eike Wenzel ein “Manifest gegen Nachhaltigkeit” in der taz veröffentlicht. Gegen Nachhaltigkeit? Der Titel ließ mich stutzen.

Beim Lesen jedoch merkte ich mich, wie mir von Zeile zu Zeile wärmer um Herz und Verstand wurde. Jeder Satz, jeder der 10 Punkte des Manifests sprach mir aus dem Herzen. Kern des Textes ist ein Aufruf zu mehr Ehrlichkeit. Ehrlichkeit eines jeden Einzelnen gegenüber sich selbst, Ehrlichkeit in den Unternehmen, Ehrlichkeit in der Politik. Es geht in dem Manifest nicht um Fingerzeige auf andere. Es geht im Kern darum, endlich aufzuhören mit dem Diskutieren über Nachhaltigkeit sondern stattdessen Nachhaltigkeit endlich zu machen. Der Text wurd im Netz schnell zum Tagesthema, das durchaus kontrovers besprochen wurde, aber insgesamt über alle parteipolitischen und gesellschaftlichen Grenzen hinweg begrüßt wurde. Man darf gespannt sein, ob jetzt auch das Handeln folgt.

Des Weiteren durfte ich heute viele interessante Gespräche mit Menschen aus konventionellen Unternehmen führen, die dort für Themen wie CSR oder Nachhaltigkeit Verantwortung tragen. Es waren allesamt äußerst liebenswerte, sehr offene Menschen, vor deren Arbeit ich großen Respekt habe. Sie reiben sich oftmals über viele Jahre hinweg zwischen den Ansprüchen von außen und dem oftmals kurzfristigen Renditezielen entspringenden internen Druck auf. Teilweise bis an die Grenzen des menschlich tragbaren. Bei aller berechtigten Kritik am Greenwashing von Unternehmen, möchte ich diesen Menschen an diesem Abend ein herzliches “Danke” zurufen. Danke für ihre Renitenz, für ihren Mut, Ihre Beharrlichkeit und ihren unerschütterlichen Glauben daran, irgendetwas in Bewegung zu bringen. Diese Mensch bewegen im Stillen oft viel mehr, als wir als Kunden oder sonstige Stakeholder wahrnehmen.

Und ich möchte die Menschen auf Basis des wunderbaren Manifests ermuntern im Sinne dieser zehn Punkte weiterzuwirken. Glück auf für eine glücklichere Zukunft, mehr Mut und mehr MACHEN!!!

post Kategorie: Alltagskram,Jazzer unterwegs post Kommentare (0) post2. Oktober 2011

Neulich im Emder Weinhandel. Die Beste und ich kaufen zwei Flaschen Mosel-Riesling.

Der übereifrige Jungspundweinverkäufer so: “Ah, Sie kennen den Wein schon.”

Wir so: “Nein, wir fanden nur den Namen ansprechend und haben einen Bezug zur Mosel. Wir lassen uns beim Trinken überraschen.”

Darauf der Jungspundverkäufer: “Ist ein eleganter. Nicht so ein breiter aus dem Rheingau. Ein Spitzenjahrgang. 2009.”

Die Beste und ich sehen uns breit grinsend an und verlassen mit den Flaschen fröhlich den Laden.

post Kategorie: Bochum,Gesellschaft,Lokales,Politik post Kommentare (2) post30. Juli 2011

Jetzt hat Ackermann seinen Auftritt im Bochumer Schauspielhaus abgesagt. Das Ganze war an pseudopeinlicher Empörung im Vorfeld nicht zu überbieten. Ich bin wahrlich kein Freund von Josef Ackermann, aber vom Schauspielhaus und der Politik zu fordern, ihn auszuladen, ist einfach nur armselig und intolerant.

Man kann trefflich darüber streiten, ob man ausgerechnet jemenden wie Herrn Ackermann zu einem Thema wie “Die Zukunft der Finanzmärkte” einladen muss, aber spannend wäre doch gewesen, ihn inhaltlich zu stellen, seine Position zu hinterfragen, sich mit ihm und seiner Sicht auseinanderzusetzen.

Es hat schon einen mehr als schalen Beigeschmack, wenn ausgerechnet Künstler wie Frank-Patrick Steckel oder sogar ein Bochumer Richter eine Ausladung Ackermanns fordern. Ein trauriges Lehrstück in Sachen Toleranz, Meinungsfreiheit und Demokratieverständnis.

Und mindestens genauso peinlich ist am Ende, dass sich ein Medium wie die WAZ bzw. DerWesten nicht blöd genug sind, zu diesem Quatsch noch ein Online-Voting zu machen, um dem Pöbel eine Stimme zu geben und die Empörungswelle mitzusurfen. Springer-Niveau und Klickgeilheit lassen grüßen.

Am Ende kann man nur einmal mehr feststellen, das Bochum sich imagetechnisch munter weiter demontiert. Einfach nur traurig.

post Kategorie: Allgemeines,Soziales,Treibgut post Kommentare (0) post26. Juli 2011

post Kategorie: Allgemeines,Politik post Kommentare (0) post25. Juli 2011

„Ein guter Rapper denkt erstmal“ steht auf einem meiner Lieblings-Rumpfkluft-T-Shirts von Max Goldt. In den letzten Tagen denke ich vermehrt, dass es das T-Shirt auch dringend für Blogger, Journalisten und vor allem für selbsternannte Terrorexperten gelten sollte.

Was wurde uns da in den Stunden nach den furchtbaren Geschehnissen in Oslo und auf Utøya nicht alles aufgetischt. Selbstredend waren es Islamisten, selbstredend ist es jetzt ein „wahnsinniger Einzeltäter“, selbstredend wird jedem noch so traumatisierten Opfer ein Mikro ins Gesicht gehalten und gnadenlos mit der Kamera auf alles was sich bewegt und auch nicht mehr bewegt gehalten. Was interessieren Menschenwürde, Respekt, Bescheidenheit und solide Recherche, wenn der Mob nach Informationen giert? Und der Mob sind wir irgendwie alle.

Leider hatte ich viel Zeit, die ganze Berichterstattung sehr genau mit zu verfolgen. Von den ersten unerträglichen Mutmaßungen über die ungefilterten Bilder in TV und im Netz bishin zu den entlarvenden Kommentaren in Boulevard- und „Qualitäts“-Presse.

Wenn dieser Massenmörder (und nichts anderes ist dieser Mensch) eines geschafft hat, dann ist es, die moderne Medien- aber auch Netzwelt mit ihren schnellen (Vor)Urteilen, ihrem mangelnden Respekt vor Menschen, ihrer unerträglichen Selbstgefällig- und -gerechtigkeit zu entlarven.

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