Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einem vor Augen führen, wie schnell sich die Welt verändert. Es ist ein paar Tage her, dass ich mein jährliches Erdenjubiläum begehen durfte (es geht nun stramm auf die 40 zu). Es war nicht das Älterwerden an sich, dass mich über die Veränderungsgeschwindigkeit nachdenken ließ, vielmehr war es die Art und Weise, wie– und vor allem auch welche – Geburtstagswünsche mich erreichten.
Früher wurde per Postkarte und – so man sich etwas näher stand – telefonisch gratuliert. Während des Studiums begann es dann, dass die Wünsche mehr und mehr per Email oder mittels „wunderschöner“, animierter E-Cards erreichten. Soweit so nett. Entfernungen spielten dabei zunehmend weniger eine Rolle. Auch die Kommilitonen, die im Ausland verweilten, konnte so problemlos ihre Glückwünsche mitteilen. Kurz darauf begann dann der Siegeszug der Mobiltelefone. Kryptische Glückwünsche in 120 Zeichen mit „GLG“ und Initialen als Absenderangaben fanden sich pünktlich zu den Ehrentagen auf den Displays. Man konnte erahnen, wer in seinem Mobiltelefon Geburtstagskalender pflegte, trudelten dich auf einmal Glückwünsche von Menschen ein, mit denen man nie gerechnet hätte.
Kurz darauf ging es dann via xing los. Geschäftspartner gratulierten, nutzen die nette Geburtstagsinfo, sich „unauffällig“ wieder in Erinnerung zu bringen und so ganz en passant zu fragen, ob man nicht mal „wieder was zusammen machen wolle“.
Wieder kurze Zeit später entdeckte die Welt dann twitter. Glückwünsche in 140 Zeichen. Hier dann auch erstmals von Menschen, die man vielleicht noch nie zuvor persönlich zu Gesicht bekommen hatte.
Und in diesem Jahr? In diesem Jahr wahr es das erste Mal – eigene empirische Untersuchung haben dies zweifelsfrei ergeben -, dass die Mehrheit der Glückwünsche bei facebook eintrudelte. Und zwar mit weitem Abstand.
Mich hat das stutzig gemacht. Und nachdenklich. Dieses kleine Beispiel zeigt doch sehr anschaulich, wie sich Kommunikation verändert. Und wie auch wir uns mit den neuen Kommunikationsmitteln und –medien verändern. Das Leben wird schnelllebiger, transparenter. Ich habe das Gefühl, dass der Begriff der Echtzeit immer unmittelbarer wird. Doch was ist daran wirklich „echt“? Eine Frage, die ich mir bislang noch nicht abschließend beantworten konnte.
Hin und wieder habe ich das Gefühl, Getriebener dieser zunehmenden Schnellligkeit zu sein. Diese Schnelligkeit hat jedoch nur wenig mit „echt sein“ zu tun. Hier geht es darum, als erster eine Information vorliegen zu haben, als erster, den richtigen Riecher zu beweisen, an der Spitze der Bewegung zu sein. Doch welche Bewegung ist das? Eine mit Gehalt? Eine, die wirklich „Mehrwert“ in meinem Leben generier? Es ist wie eine gewaltige Welle, die einen in einem unachtsamen Moment an die nächste Klippe zu werfen droht.
Doch dann gibt es sie wieder, die „echten“ Momente. Das sind die Momente, in denen ich merke, wie diese Bewegung tatsächlich tragen kann. Das sind Momente, in denen sich im Social Web Unterstützung formiert. Wo kontrovers und mit Tiefgang diskutiert. Abseits von Trollverhalten und dummer Selbstreferenzierung. Oft sind es die Momente, wo sich das virtuelle eine Brücke ins reale Leben bahnt. Wo man die Protagonisten hinter den Zeilen persönlich kennenlernt. Auf Barcamps, auf Webkonferenzen oder bei Twittwoch-Abenden. Virtuelle Identitäten bekommen dann reale Gesichter. Und in den allermeisten Fällen ist die Überraschung positiv. Nur selten bin ich bislang enttäuscht worden. Es sind spannende Menschen. Menschen mit Geschichten, die sonst nie erzählt worden wären. Menschen mit Biografien, die sonst komplett verborgen geblieben wären. Menschen mit einem kreativen Potenzial, das seinesgleichen sucht.
In diesen Begegnungen spüre ich, warum ich im Social Web unterwegs bin. Warum es mittlerweile auch ein fester Bestandteil sowohl meines beruflichen wie auch meines privaten Alltags ist. Ich spüre, dass dieses „soziale Netz“ tatsächlich wie eine große, lange Welle für einen echten Surfer ist. Es gilt, die kritische Balance zu wahren. Die Balance auf einem schmalen Grat zwischen dem Gefühl, von etwas Großartigem getragen zu sein ohne den Halt zu verlieren und der Angst, an den nächsten Klippen zu zerschellen.
So lautet meine Lieblingsfarbkombination für dieses Wochenende. Ich wünsche mir sehr, dass das Oranje-Team den etwas satt und gänzlich unzauberhaft wirkenden Brasilianern zeigt, wo die Bananen hängen. Dann wäre nämlich auch die Chance auf mein Traumfinale Deutschland – Holland gewahrt.
Außerdem wünsche ich mir natürlich, dass unsere Jungs – die einen Fußball spielen, wie wir ihn schon viele Jahre nicht mehr von ihnen gesehen haben – morgen den argentinischen Kugelblitz zurück auf seine Rinderweiden schicken. Ich bin sicher, da geht was. Und irgendwie mag ich die Mädels nicht.
Und außerdem hätte sich dann die Investion in die neue Garderobe des Junior tatsächlich mehr als gelohnt.

Also: “Hup, Holland, hup!” und “Glück auf, Jungs!”
In diesem Sinne schönes Wochenende.
entsteht Hoffnung.
In Monaten voller Hoffnung und Freude
wächst ein Wunder heran.
Nach Stunden voller Schmerzen
erblickt ein Wunder das Licht der Welt.
In diesem ewigen Wunder
wird zwei Menschen ein zweites Leben geschenkt.
In diesem zweiten Leben,
hat das Glück einen Namen bekommen.
Deinen.
[für Moritz, Juni 2010, alle Rechte vorbehalten]
Heute vor einem Jahr war einer der – wenn nicht gar wirklich DER – glücklichste Tag meines Lebens. Auf meinem Geburtstagstisch lag die Nachricht, dass wir – so denn alles gut ginge – bald zu dritt unsere vier Wände und den Rest des Lebens teilen würden. Beim Geburtstagskaffee mit Freunden dauergrinste ich wie eine Honigkuchenpferd konnte ich unser kleines, großes Geheimnis kaum für mich behalten.
Ein Jahr später ist dieses große, kleine Wunder bei uns. Und zwar schon seit nunmehr 3 1/2 Monaten. Es ist zwar entgegen anders lautender Behauptungen nicht alles anders geworden, aber einiges wohl schon.
Es sind diese morgendlichen Minuten, wenn der Junior aufwacht und friedlich vor sich hin glucksend die Welt entdeckt und mit der Sonne um die Wette strahlt. Es ist das herzzerreißende Geschrei, wenn die Beste nicht binnen von Sekunden die gewünschte kulinarische Versorgung bereitstellt. Es sind diese tausenden von kleinen Augenblicken, die seit dem 11. März das Leben bereichern.
Der Taufpfarrer zitierte in seiner Taufpredigt Arjen Robben mit seinem Satz vom “zweiten Leben” und bezog dies natürlich auf die Aufnahme des Juniors in die Kirche. Doch auch uns Eltern wurde mit der Geburt ein “zweites Leben” geschenkt. Eines, das nicht mehr wegzudenken ist.
Und so bleibt mir nichts anderes an diesem Sonnentag, als überdankbar, voller Glück und Demut und mit großer Zuversicht nach vorn zu schauen.
6. Juli 2010









