Caroline Kliemt hat zur Blogparade zum Thema “Storytelling” aufgerufen. Ich hasse dieses Buzzword eigentlich wie die Pest, aber da ich im beruflichen Kontext immer wieder damit konfrontiert bin, juckte es mich sehr in den Fingern, auch meinen Senf dazu zu geben.
Und Senf ist da irgendwie schon ein schönes Stichwort. Denn er bietet gleich zwei Ansatzpunkte, sich dem Thema zu nähern. Zum einen ist Senf eine Würze. Und die braucht es, wenn man gute Geschichten erzählt. Das bloße Abspulen und Wiedergeben von Fakten, so professionell und kanalübergreifend es auch umgesetzt wird, macht noch lange keine gute Geschichte aus. Denn erst wenn die besondere Note für den Rezipienten hinzu kommt, entsteht das, was es für ein gutes Storytelling braucht: der fesselnde Moment. Und diesen zu finden oder zu kreieren, ist wirklich hohe Kunst. Und hohe Kunst ist rar auf dem Jahrmarkt der Beliebigkeiten und Eitelkeiten.
Und damit sind wir beim zweiten Ansatzpunkt. Senf gibt es immer dort, wo es auch Würstchen gibt. Und die gab es in meiner Jugend oft am abendlichen Lagerfeuer in diversen Zeltlagern. Und diese Lagerfeuerabende waren für mich der Ort, wo ich am meisten über gutes Storytelling gelernt habe. Da saßen Kinder, Jugendlich und Erwachsene um einen loderndes Feuer. Irgendjemand hatte immer eine Gitarre dabei. Wir schwitzen vorne und froren hinten. Grillten Würstchen und aßen verbranntes Stockbrot. Und wir vergaßen dabei die Zeit. Was hat das nun mit Storytelling zu tun?
Nun, eine ganze Menge. Denn in diesen Lagerfeuerrunden ging es oftmals um nichts anderes. Im Leitungsteam hatten wir uns während der Vorbereitung überlegt, unter welches Motto wir den Aend oder gar das ganze Ferienlager stellen könnten. Wir haben uns dabei unsere aktuelle Lebenswelt und die der teilnehmenden Kinder angeschaut. Welche Kinder sind das, wo kommen sie her, welche Themen beschäftigen sie gerade, was ist für sie gerade relevant? Immer fanden wir dabei spannende Anknüpfungspunkte, die sich dann thematisch wie ein roter Faden entweder durch einen einzelnen Abend oder durch die gesamte Dauer unserer Touren zogen. Gerade die Frage nach der Relevanz wird von Kindern gnadenlos abgestraft. Da sitzt man im Zweifel schnell allein am Feuer.
Die Abende am Lagerfeuer lebten davon, dass sie Abwechslung boten. Es wurden Geschichten erzählt, frei oder vorgelesen. Musik spielte eine zentrale Rolle. Viele Lagerfeuersongs haben sich bis heute tief in meine Seele gebrannt und ich bin fest überzeugt, dass Songs wie “Lady in Black” oder “Country Roads” ohne diese Lagerfeuerabende kein Mensch mehr kennen würde. Bisweilen wurden auch vorbereitete Theaterstücke oder Sketche aufgeführt. Bei der Mischung könnte man also durchaus von einem analogen Multikanalansatz sprechen.
Bei all diesen romantischen Runden ging es nicht um die Vermittlung von Information. Natürlich spielte das ein Rolle und passierte zwangsläufig, doch im Vordergrund stand immer die Emotion. Nur wenn es gelang, diese knisternde Stimmung zu schaffen, wurden aus den Abenden gute Abende. Nur dann wurde laufend Holz nachgeschoben, nur dann vergaß man die Zeit um sich herum. Oft ließ sich auch beobachten, dass auch die beste Planung nichts wert war, denn diese Abende entwickelten mitunter eine Eigendynamik. Da wurden auf einmal andere Lieder gesungen, andere Geschichten erzählt. Raum für Spontaneität musste immer da sein.
Auch das Controlling dieser Lagerfeuerrunden war recht einfach. Der ROI – im Sinne eines Risk of Ignorance – war hier schnell und einfach zu spüren. Wenn die Geschichten und Songs schlecht, irrelevant oder emotional nicht ansprechend waren, lichteten sich die Runden fix und man saß irgendwann alleine mit der Klampfe am Feuer.
All dies zeigt, dass Storytelling nun wirklich nix Neues ist. Es wird nur endlich mehr und mehr erkannt, dass das bloße Senden selbsterdachter Botschaften in Zeiten von Käufermärkten und besser informierter und mündigerer Konsumenten nicht mehr ausreicht. Erfolgreiche Marken und Unternehmen haben das immer schon gewusst und auch gelebt. Aber die Luft wird angesichts der enormen Dynamik von Informationen und Angeboten immer dünner. Ein gutes Angebot verkauft/verbreitet sich eben leider nicht von alleine. Es braucht eine Geschichte, die es aus der Masse heraushebt, es zu etwas besonderem macht.
Von daher ist es richtig und wichtig, sich mit diesem Thema zu befassen. Es gilt herauszufinden, wie schaffe ich einen attraktiven Lagerfeuerplatz, an dem sich Menschen gerne mit mir versammeln und meinen Geschichten gern und lange lauschen. Dafür braucht es eine Menge Holz (Investment in Infrastruktur), gute Geschichtenerzähler (Redakteure, Marketingspezialisten) und Mut und Raum für Spontaneität und Kreativität (Zuhören, Umsteuern, Partizipation). Nur wenn all dies gegeben ist, besteht eine Chance auf lange, erfolgreiche Lagerfeuerabende.
Das Internet bietet hier herausragende Möglichkeiten, da man die Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Sinneswahrnehmungen gut ansprechen und erreichen kann. Hier lassen sich mit relativ einfachen Mitteln auch Konzepte verproben und testen. Am Ende braucht es jedoch immer konkrete Anknüpfungspunkte in die reale Welt. Sei es über das Produkt oder die Dienstleistung selbst, oder über Begegnungen im persönlichen Gespräch oder bei Veranstaltungen.
Ich selbst freue mich immer wieder, wenn ich irgendwo diese lodernden und knisternden Lagerfeuer entdecke. Da hocke ich mich gern dazu, lausche eine Weile und vergesse dabei mitunter auch meinen frierenden Rücken und Popo.
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Am Schluss noch eine kurze Zusammenfassung des Vorgehensmodells für ein gelungenes Lagerfeuer 2.0:


