Aus Gründen: Fußball-Lyrik

drin bleiben VfL Bochum

Der frühe Vogel freut sich mal,
sein Club, der hat Erfolg am Ball.
3:0 hieß es am Ende,
mit Peter kam die gute Wende.

Jetzt läuft es wieder rund am Leder,
ins Stadion strömt auf einmal jeder.
Erhalt der Klasse bleibt das Ziel,
wir hoffen auf manch gutes Spiel.

Erst Frust, Enttäuschung und Gewimmer,
so ist’s beim VfL fast immer.
Auf dem Platz der Klassenkampf,
den Spieler quält so mancher Krampf.

Am Ende jubeln alle laut,
man mutig, froh nach vorne schaut.
Fußball im Pott, so ist das hier,
bei Currywurst und Fiege Bier.

Und hier ganz tief bei uns im Westen,
da spielen schlichtweg doch die Besten.
Der VfL hat jetzt ‘nen Lauf,
wir freuen uns, Glück auf!

Glück auf VfL Bochum

Nochmal Opel – die Musik spielt längst woanders

Opel Solidaritätsfest - Wir bleiben Bochum

Die Band des Bochumer Schauspielhauses beim Bochumer Opel-Solidaritätsfest am 03.03.2013

Seit gestern Abend ist es amtlich. Die Bochumer Opelanerinnen und Opelander haben den “Sanierungsplan” mit einer Mehrheit von 76 % abgelehnt. Meine Meinung zum Thema Opel tat ich bereits vor einigen Wochen kund. An eine Rettung des Werkes glaube ich persönlich nicht mehr.

Aber ebenso wie ich vor einiger Zeit meine Solidarität mit den Betroffenen zum Ausdruck brachte, so zolle ich ihnen jetzt Respekt für diese Entscheidung. Es ist ein klare Haltung, “Nein” zu diesem Sanierungsplan zu sagen, der an vielen Stellen nichts anderes als eine Erpressung der Belegschaft war und zudem die Standorte gepflegt gegeneinander ausspielt. Ich kann gut verstehen, dass die Opelaner dieses “Angebot” angesichts der jahrelangen Erfahrung mit Wortbrüchen und leeren Versprechungen nicht akzeptieren wollten. Meiner Meinung nach hatte diese Abstimmung letztlich keine andere Aufgabe, als die Schließung des Werkes quasi durch die eigene Belegschaft legitimieren zu lassen. Man kennt das ja aus der Politik. Wenn Politiker aus macht- und wahltaktischen Gründen Angst vor Entscheidungen haben, wälzen sie diese gern auf die Gerichte oder die Bürger ab.

Traurig macht mich dabei die Erkenntnis, dass es um die Solidarität der Mitarbeiter der unterschiedlichen Standorte offenbar nicht gut bestellt ist. Und dass sich insbesondere Gewerkschaften auf ein solches Spiel einlassen, ist ein Offenbarungseid für ihre Arbeit.

Jeder Popel fuhr ‘nen Opel

Solidarität mit Opel

Ich hoffe auf gutes Wetter für Bochum. Heute. Denn in der Stadt passiert etwas Wichtiges. Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, Ihre Solidarität mit den von der Werksschließung bedrohten Opel-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu bekunden. Quer durch alle gesellschaftlichen Schichten, vom Schauspielhaus über die Gewerkschaft bishin zum lokalen Bäcker haben sich in den letzten Tagen zahlreiche Unternehmen und Initiativen solidarisch mit den Betroffenen erklärt.

Um es klar zu sagen: Ich glaube nicht, dass das vor 50 Jahren gegründete Opel-Werk in Bochum noch eine reelle Chance hat, der Schließung zu entgehen. Zu groß sind die Managementfehler der Vergangenheit, zu ramponiert das Image, zu unklar die Zukunft der Marke an sich. Hier in der Stadt hat wahrscheinlich jeder, der schon länger hier lebt, eine wie auch immer geartete Beziehung zu Opel. Mein Vater arbeitete jahrzehntelang bei einer Bauunternehmung, die viel für Opel gearbeitet hat. Es war selbstverständlich, dass die Firmenwagen von Opel kamen. Es war für meine Brüder und mich quasi zwangsläufig, dass unsere ersten Autos jeweils von Opel kamen. Auch wenn man dafür außerhalb der Region immer schon den Preis eines milden Lächelns zahlte, fühlten sich die VW-Fahrer immer schon etwas “erhabener”, konnte ein Kadett eben nicht gegen einen Golf anstinken. “Jeder Popel fährt ‘nen Opel” war ja so ein geflügelter Spruch. Aber es war ja auch wirklich so, dass Opel hier das Straßenbild über Jahrzehnte geprägt hat.

Diese goldenen Zeiten sind vorbei, die amerikanischen Manager und oftmals auch ihre angestellten deutsche Führungskräfte, sind an Standortfragen nur aus betriebswirtschaftlichen Gründen interessiert. Menschen sind da im Kalkül eher hinderlich und werden ebenfalls auf ökonomische Größen und Kennzahlen reduziert. Dann muss man sich ja auch nicht die Gewissens- und Verantwortungsfrage stellen. Es ist am Ende bequemer.

Und gerade aus diesen Gründen finde ich es wichtig, ja geradezu meine Pflicht, den mehr als 4.000 Menschen, die mit ihren Familien seit vielen Jahren unter der ungeklärten Situation leiden, zu signalisieren, dass sie nicht alleine sind. Zu zeigem, dass es Bürgerinnen und Bürger, dass es Unternehmen gibt, die sich Gedanken über die Zukunft der Stadt machen. Bürger, die diese Stadt zukunftsfähig erhalten und vor allem weiter gestalten wollen, auch für eine Ära nach Opel. Das Schlimmste, was der Stadt und ihren Menschen passieren könnte, wäre in einer resignierten Lethargie zu versinken. Frei nach dem Motto: Wir können eh nichts gestalten und sind ‘denen da oben’ hilflos ausgeliefert.

Ich wünsche mir, dass von dem heutigen Tag ein Zeichen ausgeht, ein Impuls. Eine kleine Initialzündung, dass wir als Bürger dieser Stadt die Zukunft in dieser Stadt ein Stück weit selbst in die Hand nehmen. Dafür braucht es Ideen und Initiativen. Und Initiative heißt am Ende nicht nur reden, sondern auch handeln. Vor fast 40 Jahren haben ein paar Bochumer Bürger, die eine Schule gründen wollten, mangels Bereitschaft der lokalen Banken, dieses Risiko eingehen zu wollen, eine eigene Bank gegründet. Eine Bank, die anders war als alle Banken, die es bis dahin gegeben hat. Nun hat diese Bank, die GLS Bank, mehr als 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist aktuell als nachhaltigstes Unternehmen Deutschlands ausgezeichnet worden. Sie ist Vorbild andere, Inspiration und Anziehungspunkt.

Was könnte für Bochum das neue “Opel” sein? Wo könnten Keimzellen für zukunftsweisende Geschäfts- und Wirtschaftsmodelle liegen? Mit unseren zahlreichen Hochschulen haben wir die besten Voraussetzungen, diese Keimzellen zu entdecken. Hier wird geforscht, erprobt, gegründet. Hier gilt es, wachsam zu sein, Dinge anzuschieben, Engagement zu fördern. Wir brauchen Unternehmen und Menschen, die schon heute die Antworten auf die Herausforderungen von morgen erahnen. Das lässt sich kaum mit Rezepten von gestern erreichen.

Und deshalb ist es so wichtig, den Mut nicht sinken zu lassen, Zeichen zu setzen und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Glück auf, Bochum!

>> die wichtigsten Infos zum Thema und zum Fest findet Ihr auf “wir gemeinsam”
>> (leider ziemlich maue) Infos zum Solidaritätsfest für Opel in Bochum bei “Der Westen”

 

Und zum Schluss noch der Solidaritätssong von Nicola Mastroberardino, Ensemblemitglied am Bochumer Schauspielhaus.

Risiken aus Detroit – Chance(n) für Bochum?

Vielleicht sollte man sich in Bochum langsam Gedanken machen, wie die Zeit nach dem Weggang von Unternehmen wie Opel und ThyssenKrupp hier aussehen könnte. Offenbar müssen wir uns endgültig darauf gefasst machen, kein bedeutender Industriestandort mehr zu sein. Doch was folgt nach?

Wie wollen Stadtentwickler, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürger die entstehenden Lücken füllen? Wo liegen neue Chancen zur Entwicklung? Wie kann die Stadt attraktiv für neue Unternehmen werden? Und was sollen das für Unternehmen sein? Nie war die Zeit reifer, endlich neu zu denken und eine positive Vision zu entwickeln. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, jetzt in Schockstarre über die erneut schlechten Nachrichten zu verharren.

Und die hohen Herren von General Motors in Detroit sollten sich Gedanken über eine am Menschen orientierte Unternehmensführung machen. Es ist die eine Sache, bei dauerhaften Defiziten (so es denn welche sind) Werke oder Standorte zu schließen. Aber es ist eine andere Sache, über numehr fast ein Jahrzehnt ständig mit Werksschließungen zu drohen, Mitarbeiter unter Druck zu setzen und diese in einer permanenten Angst um ihre Arbeitsplätze verharren zu lassen.

Mitmenschliche Verantwortung sieht anders aus.

Bochum – was fehlt sind die Visionen

Brennen für Bochum - Deutsches Bergbaumuseum“Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen.” So lautet ein prominentes Zitat von Altkanzler Helmut Schmidt. Und genau diese Aussage scheinen sich viele Bochumerinnen und Bochumer sehr zu Herzen genommen haben.

Anders kann ich mir die Diskussionen und auch die Nicht-Diskussionen der letzten Jahre nicht erklären. Insbesondere in den letzten Wochen und Tagen wird in der Stadt einmal mehr über Sparpläne, Provinzialität und Mittelverwendung diskutiert. Dominantes Thema dabei ist das Sparen. Verbunden mit den damit einhergehenden Verteilungskämpfen. Nur selten wird dabei in der Sache, vielmehr wird fast ausschließlich auf der emotionalen Ebene diskutiert.

Schon seit Jahren mangelt es meines Erachtens an einer konkreten Vision, einem strategischen Masterplan, wohin sich Bochum, die Heimatstadt, die ich liebe und schätze, künftig entwickeln soll. Fragt man die Beteiligten in Politik, Wirtschaft und Institutionen, sind sich fast alle einig, dass sich Bochum in Zeiten des weiter fortschreitenden industriellen Strukturwandels insbesondere auf zwei Stärken konzentrieren sollte. Kultur und Bildung.

Da herrscht parteiübergreifend mit wenigen Ausnahmen Konsens. Doch wie das konkret umgesetzt und angegangen werden soll, da ist nur wenig bis nichts zu vernehmen. Es gibt zahlreiche Einzelprojekte, die sich mit Bildung und Kultur befassen, aber ein Masterplan ist weder für das eine noch für das andere Thema vorhanden. Es geistern leere Phrasen wie „Univercity“ durch die Welt, die aber bislang noch nicht ansatzweise mit Inhalt oder Leben gefüllt werden. Weder von Seiten der Stadt, noch von den Institutionen, sprich Hochschulen, selbst. Auch für den Kulturbereich fehlt dieser Masterplan. Die Diskussion hier wird nahezu ausschließlich über die Notwendigkeit von Einsparungen geführt. Prominentes Beispiel dafür ist die geplante Schließung des Museums, deren Begründung an Absurdität kaum zu überbieten ist.

Als Bochumer Bürger, dem das künftige Wohl der Stadt wirklich am Herzen liegt und der auch seinen Kindern hier noch ein lebenswertes Umfeld wünscht, befremdet mich das zusehends. Und nach vielen Gesprächen in den letzten Wochen weiß ich, dass ich damit nicht alleine bin.

Ausgerechnet die neu aufgeflammte Diskussion über den Bau des Musikzentrums könnte hierbei ein Meilenstein für die Entwicklung einer Vision für Bochums Zukunft werden. Der ebenso durchsichtige wie populistische Antritt der Piratenpartei mit einem Bürgerbegehren den Bau zu diesem Zeitpunkt zu verhindern – es wird ja auch erst seit zehn Jahren über dieses Thema gesprochen – könnte ein Wendepunkt werden.

Denn genau das so umstrittene Musikzentrum bildet mit seiner Scharnierfunktion zwischen Kultur und Bildung ebenso wie das erfolgreiche Urbanatix-Projekt einen wichtigen Ausgangspunkt für eine visionäre Ausrichtung der Stadt. Bochum muss sich – will es künftig als attraktiver, urbaner Raum wahr- und ernstgenommen werden – auf die Bereiche Bildung und Kultur fokussieren.

Gemeinsam mit den Bürgern der Stadt sollte hier ein Zielbild formuliert werden, auf das alle künftigen Aktivitäten auszurichten sind. Was sind die Kernwerte, für die Bochum steht? Wie positioniert sich die Stadt? Was ist die Kernaussage, was die Vision Bochums? Das Begehren der Bürger sollte es sein, daran positiv mitzuwirken. Ich würde mich freuen, wenn sich Menschen zusammentäten, die fernab von parteipolitischen oder ideologischen Einflüssen Lust darauf haben, diese Vision für Bochum zu entwickeln.

Ich bin sicher, da geht was. In diesem Sinne „Glück auf Bochum“!

peinliche Bochumer Ackermann-Posse

Jetzt hat Ackermann seinen Auftritt im Bochumer Schauspielhaus abgesagt. Das Ganze war an pseudopeinlicher Empörung im Vorfeld nicht zu überbieten. Ich bin wahrlich kein Freund von Josef Ackermann, aber vom Schauspielhaus und der Politik zu fordern, ihn auszuladen, ist einfach nur armselig und intolerant.

Man kann trefflich darüber streiten, ob man ausgerechnet jemenden wie Herrn Ackermann zu einem Thema wie “Die Zukunft der Finanzmärkte” einladen muss, aber spannend wäre doch gewesen, ihn inhaltlich zu stellen, seine Position zu hinterfragen, sich mit ihm und seiner Sicht auseinanderzusetzen.

Es hat schon einen mehr als schalen Beigeschmack, wenn ausgerechnet Künstler wie Frank-Patrick Steckel oder sogar ein Bochumer Richter eine Ausladung Ackermanns fordern. Ein trauriges Lehrstück in Sachen Toleranz, Meinungsfreiheit und Demokratieverständnis.

Und mindestens genauso peinlich ist am Ende, dass sich ein Medium wie die WAZ bzw. DerWesten nicht blöd genug sind, zu diesem Quatsch noch ein Online-Voting zu machen, um dem Pöbel eine Stimme zu geben und die Empörungswelle mitzusurfen. Springer-Niveau und Klickgeilheit lassen grüßen.

Am Ende kann man nur einmal mehr feststellen, das Bochum sich imagetechnisch munter weiter demontiert. Einfach nur traurig.

Tipp: Perfekte Weihnachtsstimmung mit Bugge Wesseltoft

Als ich beim Bochumer Marketing-Award mit dem Pfarrer der Christuskirche, Thomas Wessel, ins Gespräch kam, weiteten sich irgendwann meine Augen und glänzten. Pfarrer Wessel hatte mich netterweise auf eines der wohl schönsten Weihnachtskonzerte aufmerksam gemacht, die ich mir nur vorstellen kann.

Bugge Wesseltoft, DER skandinavische Jazzpianist schlechthin, kommt am 30. November um 20 Uhr in die wunderschöne Christuskirche um sein berühmtes Weihnachtsalbum “It’s snowing on my piano” live zu spielen. Es ist eines von nur fünf europaweiten Konzerten.

Ich kenne kein Weihnachtsalbum mit ähnlich viel Tiefgang, das wunderbare Weihnachtsstimmung transportiert. Also, unbedingt hingehen.

Auch Nils Landgren kommt mit seinen Freunden wieder in die Christuskirche und wird wohl wieder ein wunderbar entspanntes, jazziges Weihnachtsmusikfeuerwerk abbrennen. Auch das Konzert sei wärmstens empfohlen.

SchachtZeichen in der Ruhrstadt – eine gelungene Ruhr.2010-Aktion

Auf wenige Projekte der Kulturhauptstadt 2010 habe ich so hingefiebert wie auf die seit Samstag laufenden SchachtZeichen.

Bei prächtigem Kaiserwetter wurden am Samstag an über 300 ehemaligen Zechenstandorten im Ruhrgebiet (davon allein 40 in Bochum) große, gelbe mit Helium gefüllte Ballons in den Himmel aufgelassen. In bis zu 80 Metern Höhe schweben diese nun noch bis zum kommenden Wochenende in der Zeit von 10 Uhr morgens bis 20 Uhr abends über den historischen Orten.

Heute und am kommenden Samstag (29.05.2010) bleiben die Ballons länger in der Luft und werden in der Zeit von 22 bis 1:00 sogar beleuchtet, was den ohnehin schon beeindruckenden Anblick sicher noch einmal toppen wird.

Nach meiner kleinen Radtour zu einigen der Bochumer SchachtZeichen-Standorte (siehe Bilderset bei flickr) kann ich nur empfehlen, in den kommenden Tagen die Gelegenheit zu nutzen und sich das einmalige Spektakel anzuschauen. Dabei sollte man eine Kombination aus direkten Besuchen der einzelnen Schachtzeichen (Standortkarte der Schachtzeichen) sowie des Besuchs eines markanten Aussichtspunkts von dem aus man eine Fernblick über die Region hat (z.B. der Bochumer Tippelsberg) wählen.

An einzelnen Schachtzeichen veranstalten die betreuenden Gruppen und Vereine schöne Aktionen. Die Bandbreite reicht dabei vom Pfingstfußballturnier über Lesungen bishin zu Gottesdiensten. Für jeden Geschmack wird also etwas geboten. Hier zeigt die Ruhrstadt im Kulturhauptstadtjahr von Ruhr.2010 einmal mehr, wie lebendig sie ist und welches Potenzial in ihr steckt.

Ich freue mich schon jetzt auf den Day of Song am 5. Juni auf Schalke oder auf das Still-Leben auf der A40 am 18. Juli. Dass wir mit einem eigenen Tisch an letzterem teilnehmen können verdanken wir übrigens einer netten Aktion der Bochumer Privatbrauerei Moritz Fiege, bei der ich mich bei dieser Gelegenheit noch einmal herzlich bedanken möchte.

So langsam nimmt die Ruhrstadt in Sachen Ruhr.2010 Fahrt auf und das Thema kommt bei den Menschen an. Es ist einfach schön zu spüren, wie lebendig die Region ist. Ich kann nur hoffen, dass die gesetzten Impulse auch über das Kulturstadtjahr hinaus in der Region Wirkung entfalten und die Städteoberen sich mehr und mehr von ihrem Kirchturmdenken verabschieden.

Jens vom Pottblog hat zu den Schachtzeichen einige schöne Übersichtsartikel verfasst sowie eine flickr-Bildergruppe ins Leben gerufen. Hier kann man bereits viele spektakuläre Bilder bewundern. Auch eine twitterwall hat er initiiert, auf der man die aktuellen SchachtZeichen-tweets verfolgen kann. Das offizielle Hashtag bei twitter lautet #SchachtZeichen

Hier noch ein paar SchachtZeichen- und Kulturhauptstadt Ruhr.2010-Links im Überblick:

google-Karte zum Bochumer Tippelsberg, einem der wohl besten SchachtZeichen-Aussichtpunkte Bochums


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Von Currywürsten und Kernkompetenzen

Bratwursthaus im Bochumer Bermuda3eck Im Bochumer Bermuda3eck gibt es eine Institution – das Bratwursthaus. Dort gab und gibt es schon seit jeher die beste Currywurst des Reviers. Ein “Gedeck” bestand immer aus einer Dönninghaus-Wurst, der Original Döninghaus-Currysoße und einem frischen halben Brötchen. Vor oder nach einem Kneipen- oder Kinobesuch war es mehr oder minder Pflicht, sich schnell am Bratwursthaus zu stärken. Für ehrliche 2,20 EUR gab es ruckzuck das gewünschte Gedeck. So einfach, so gut.

Vor wenigen Wochen wurde das Bratwursthaus nun erweitert. Die ehemalige “Bude” des “Grobschnitts”, bei dem es bis vor wenigen Monaten Pommes in allen Varianten gab, wurde quasi integriert. Und auf einmal bietet das bisher ausschließlich auf den Wurstverkauf spezialisierte Bratwursthaus auch Pommes an. Nun könnte man meinen, das ist doch eine logische und konsequente Erweiterung der Produktpalette. Quasi eine Diversifizierung im Sinne Edzard Reuters.

Nun, wohin die Diversifizierung bei Daimler geführt hat, ist ja hinlänglich bekannt. Sie hätte den Konzern beinahe den Fortbestand gekostet. So schlimm wird es mit dem Bratwursthaus hoffentlich nicht kommen, aber erste gravierende Veränderungen in der Service-Qualität sind spürbar.

So gerät man wochenends nun gerne in Warteschlangen, in denen sich auch Kulturstadttouristen den Luxus dieser Revierspezialität gönnen. “Hanoi, is dös net die Wurschtbude, über die Grönemeyer sein Lied geschribbe hat?” hesselt es in der Großfamilie vor sich hin, die in der Warteschlange vor mir steht.

Ich bin kurz versucht, aufklärend einzugreifen und darauf hinzuweisen, dass der Song “Currywurst” keineswegs von unserem “Kulturexport” Herbert Grönemeyer stammt sondern vielmehr vom leider schon verstorbenen Kultkomiker Diehter Krebs aus der Nachbarstadt. Aber ich erspare mir und den vor mir Wartenden die Besserwisserei, schließlich habe ich Heißhunger.

Doch dann nimmt das Unheil seinen weiteren Verlauf, wird vor mir doch jetzt ausdiskutiert, wer in der fünfköpfigen Familie was bestellen möchte. “Isch möcht eine Mantaschale” wirft der Outdoorbejackte Familienvater stolz in den Ring. Der hat wohl einst die Ruhrkultur über Tina Ruhland und Till Schweiger in “Manta, Manta” in sich aufgesogen. Der pubertierende und baseballbekappte Sohn will dem Wissen seines Vaters in nichts nachstehen und fordert für sich lautstark eine “Pommes Schranke” ein. “Is dös net das gleiche?” fragt Hessenvattern etwas verdattert.

Auch hier bin ich versucht, aufklärend einzugreifen, und den Unterschied zwischen “Mantaschale” (Pommes, Ketchup, Majo, Currywurst) und “Pommes Schranke” (Pommes, Ketchup, Majo – also “rotweiß”) zu erklären. Aber das überlasse ich dann doch lieber den geduldigen und freundlichen Damen hinter dem Tresen. Nach gefühlten 15 Minuten hat man sich vor mir auf die Bestellung geeinigt, was in weiteren, ebenfalls gefühlten 15 Minuten Wartezeit für mich endet. Auch den Wartenden in der Nebenschlange am neuen, zweiten Schalter geht es nicht viel besser. Die Pommesbestellungen verzögern den bisher äußerst zügigen Lieferprozess der Currywurst-Gedecke enorm. Und dann ist auch die Wurst, die ich erhalte, total verbrutzelt und hat eine trockene Pelle. Kein Wunder bei der langen Pommeswartezeit. Unter dem Krakeelen des neuen Plasmafernsehers, der im “Aufenthaltsbereich” der Bude angebracht ist, stopfe ich mir frustriert meine Wurst rein und freue mich auf mein anschließendes ehrliches 1,20-Pils in der “Pinte” gegenüber.

“Früher war alles besser. Wir hatten zwar nix, aber mit der Currywurst hat es wenigstens funktioniert” seufze ich still vor mich hin und bin dabei ein klitzekleines bisschen genervt. Klammheimlich wünsche ich mir eine Rückbesinnung auf die Kernkompetenz “Currywurst”. Zumal es zwei Steinwürfe weiter mit “max Frituur” die absolute Kernkompetenz in Sachen belgischer Fritten aus frischen Kartoffeln gibt. Echte Arbeitsteilung im Bermuda3eck eben.

Wie gerne würde ich jetzt Edzard Reuter (Gott hab ihn selig) in die immer länger werdende Schlange stellen und beim eigenen Leib erfahren lassen, was es heißt, wenn man sich ohne Not diversifiziert und seine klassischen Kernkompetenzen vernachlässigt.

Was bleibt ist ein fader Beigeschmack und die Formulierung einer dringenden Bitte:

Liebes Team vom Bratwursthaus.

Um Eure Stammkunden in Sachen Currywurst nicht komplett zu verprellen, hätte ich da eine Anregung. Macht doch aus einem Eurer beiden “Schalter” einen Express-Currywurst-Schalter. So könntet Ihr über eine Optimierung der Service-Prozesse immerhin Eure Stammkundschaft angemessen befriedigen und diesen Teil des Geschäfts optimieren.

Glück auf, Euer Stammkunde

Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse

Bildrechte: Ponte 1112

Ich bin bekennender Radfahrer. Teils der Umwelt zuliebe, teils aus reiner Bequemlichkeit weil ich nicht gerne laufe.

Immer wieder treibt mir dabei der Zustand des kommunalen Radwegenetzes in Bochum die Zornesröte ins Gesicht. Radwege sind aufgrund sich hochdrückender Baumwurzeln, maroder Pflasterung oder dreist parkender Autos nicht nutzbar. Und wenn sie es denn sind, enden sie oftmals abrupt im Nirwana.

Gerade im Herbst und Winter setzen die kommunalen Radwegeverwalter im ganzen Spiel zur finalen Blutgrätsche an. Radwege sind unbeleuchtet und werden weder entlaubt noch vom Schnee befreit. Ich weiß nicht, ob es über die Vorstellungskraft der Planer geht, dass es Menschen mit der Änderung ihres Mobilitätsverhaltens ernst meinen und aufs Rad umsteigen. Oder steckt gar eine perfide Strategie dahinter, die Menschen in den chronisch defizitären und in diesen Monaten ach so virenschwangeren öffentlichen Nahverkehr zu zwingen? Man weiß ja nie.

Ich würde diesen Menschen gerne die rote Karte zeigen und sie wegen üblen Fouls und Spielbehinderung vom Platz stellen. So wird das mit der lokalen Klima-Agenda jedenfalls nix. Aber es ist natürlich viel schöner, sich mit Opels neuestem Elektroautoprojekt im Licht der Presse zu sonnen, als sich mit solch profanem Zeug wie Radwegen auseinanderzusetzen. Ich fürchte nur, dass mit dieser Strategie der Zwangs-Abstieg in die zweite wenn nicht gar die dritte Klima- und Mobilitäts-Liga vorprogrammiert ist. Im Kulturbereich hat man das ja schon erfolgreich vorgemacht.

Bochum, sechs, setzen!

Bildquelle: Ponte112