Und dann hau ich mit dem Hämmerchen …

Nein, dies ist kein Text über das Sparen. Es war ja gerade Fastenzeit. Passion, Leiden – Ihr habt das sicher bemerkt. Also, dies ist ein Text über Probleme. So richtig schwere Kost. Bisweilen selbstreferentiell. Hochgradig psychoanalytisch. Nein Quatsch. War nur Spaß. Ich bin ja BWLer, die können sowas gar nicht.

Aber als Kreativer Marketingfuzzi arbeite ich ja gern mit Bildern. Und irgendwie ist mir da vor kurzem ein schönes in den Sinn gekommen, das ich gerne teilen will. Vielleicht ist ja die/der eine oder andere von Euch ähnlich einfach gestrickt wie ich, und freut sich gar über diese Lebenshilfe.

Es geht um größere Probleme, mit denen wir konfrontiert sind. Beruflich, oder privat. Ganz egal. Dinge, bei denen wir das Gefühl haben, vor einem Scherbenhaufen zu stehen, weil etwas passiert ist, wir einen Fehler gemacht haben, oder uns andere ihren Scherbenhaufen hinterlassen haben. Was auch immer.

Und da ist auch schon das erste Bild. Der Scherbenhaufen. Doch trifft es das wirklich? Oft ist es doch so, dass Scherbenhaufen viel zu niedlich, viel zu klein dimensioniert sind, angesichts der Malässe, mit der wir konfrontiert sind. Und das Bild der Scherbe impliziert oftmals den Versuch, Dinge wieder kitten zu wollen. Heile machen. Puzzeln, kleben.

Doch ist es nicht oft genug so, dass wir entweder nichts mehr kitten wollen oder es gar nicht können? Wie gehen wir dann damit um? Letztens schoss mir durch den Kopf, dass eigentlich ein Trümmerfeld ein viel besseres Bild ist. Etwas wirklich Großes ist in die Binsen gegangen. Vor uns liegt ein richtig massiver Trümmerhaufen. Mit großen Brocken, kleinen Steinen. Er bedeckt einen Grund, auf dem wir etwas Neues aufbauen wollen. Was auch immer das sein mag. Um etwas Neues schaffen zu können, müssen erstmal diese Trümmer weg. Keine schöne Perspektive irgendwie. Zumal einige von ihnen vielleicht erkennbar zu groß sind, als dass wir sie so einfach beiseite schaffen könnten.

Also bedarf es doch eines planvollen Vorgehens (Erkenntnis 1). Ein Plan und die Erkenntnis einen zu benötigen, sind deswegen so wichtig, weil ungeplantes Wegräumen von Trümmern gerne mal dazu führen kann, dass die Berge nachrutschen und einen verschütten oder gar erschlagen. Ich muss mir also überlegen, wo ich mit dem Aufräumen beginne.

Am besten erstmal dort, wo ich mich nicht selbst gefährde und wo ich ein bisschen Erfahrung sammeln kann, wie ich die Brocken am besten anfasse (Erkenntnis 2). Doch noch immer gibt es ein Problem. Wohin eigentlich mit dem Zeug, das ich da aus dem Weg schaffen will?

Um auf dem verschütteten Grund Neuse schaffen zu können, brauche ich ja Platz. Die Dinge von rechts nach links zu räumen, hilft wenig. Sie stünden mir immer wieder aufs Neue im Weg. Also brauche ich einen Ablade- oder Lagerplatz (b). Wohin also mit dem Zeug? Nun, das kann vielleicht ein Tagebuch sein, wo ich die Dinge für mich aufschreibe. Vielleicht sogar ein Internettagebuch, Ihr wisst schon, dieses Blogdingens. Vielleicht sind es aber auch Gespräche mit Familienangehörigen, guten Freunden oder einem bezahlten Profi. Am besten wäre es, zu sowohl zu schreiben als auch zu reden. Das eine birgt die Möglichkeit, bei neuen Trümmerfeldern immer wieder auf die Erfahrungen vergangener Räumungen zurückzugreifen, und das andere bietet wertvollen Input, wie andere mit ihren Trümmerbergen und Räumungen umgegangen sind.

Oben schrieb ich, dass es Trümmer gäbe, die zu groß wären, als dass man sie alleine bewegen könne. Das kommt vor. Immer wieder. Um nicht wie Sissiphos zu enden, der immer wieder an seiner großen, unlösbaren Aufgabe scheitert, hilft hier nur eins. Es braucht Werkzeug, um diese Brocken erstmal klein zu kriegen, damit man sie anschließend wegräumen kann (Erkenntnis 4). Und es sollte gutes Werkzeug sein, kein billiges Zeug auf Discounterniveau. Einen ordentlichen Vorschlaghammer, vielleicht gar ein speziell gehärteter Meißel oder Bohrer. Diese Werkzeuge sind die Problemlösungsmethoden. Die kann ich im besten Fall auf Basis eigenen Erfahrungswissens selbst entwickeln, im Zweifel sollte ich aber auch hier auf Unterstützung zurückgreifen. Da gibt es Ratgeberliteratur (Obacht bei der Auswahl, denn für jedes Problem gibt es mindestens zwei sich diametral widersprechende Ratgeber), und da sind auch hier wieder Freunde, Familienangehörige, Kollegen oder eben bezahlte Profis gefragt.

Nun haben wir also das Zeug, die großen Brocken klein zu machen. Was ist nun noch zu beachten? Nun, wichtig ist, auf eine ausgewogene Bearbeitung des Trümmerfeldes zu achten (Erkenntnis 5). Wenn ich mich nur auf die großen Brocken stürze, droht schnell Üerdorderungs- und Ermüdungsgefahr. Ich verausgabe mich, verliere schnell an Kraft oder frustriere mich. Also ist es ratsam, für Abwechslung zu sorgen. Immer wieder auch mal kleinere Brocken wegzuschaffen, Erfolgserlebnisse zu haben. Denn letztere motivieren immer wieder und zeigen, dass sich die schwere Arbeit lohnt.

Und wenn man als das beachtet, ist so ein Trümmerberg vielleicht gar nicht mehr so bedrohlich, wie es anfangs den Anschein hatte. Und so ein kleiner 5-Punkte-Plan ist doch auch gar nicht schwer zu merken, oder?

Hier nochmal die Zusammenfassung:

    Es braucht einen Plan.
    Dort beginnen, wo es ungefährlich ist und man Erfahrungen sammeln kann.
    Ablade- oder Lagerplätze schaffen.
    Gutes Werkzeug organisieren.
    Ausgewogene Bearbeitung des Trümmerberges.




Dann mal viel Erfolg beim Aufräumen. Und natürlich vor allem beim Neuaufbau im Anschluss. Vielleicht lässt sich ja aus den alten Trümmern sogar was Schickes schaffen.

Glück auf, Eure Trümmerfrau!

Gedanken über Musik

Jazztrompeter im Central Park, New York

Mein Leben ist ohne Musik undenkbar. Schon als Kind war ich umgeben von Musik, habe sie in mich aufgesogen. Bei uns zu Hause war immer Musik in der Luft. Schon ganz früh habe ich selbst Musik gemacht. Unverordnet, ohne Zwang – einfach einem inneren Impuls folgend.

Musik war immer da. Egal, ob ich sie nun hören oder spielen konnte. Auch in der Stille war und ist sie in meinem Kopf. Sie ist Zufluchtsort, Herausforderung, Gutelaunemacher. An und mit Musik durfte ich wachsen. Sie hat mich verändert, so, wie auch ich sie verändert habe. Denn die Musik von früher war eine andere als die Musik von heute. Ganze Lebensphasen hat sie geprägt. Quasi wie ein Soundtrack zu bestimmten Ereignissen. Noch heute tauchen Bilder vor meinen Augen auf, wenn ich bestimmte Stücke höre. Oder ich denke an Musik, wenn ich bestimmte Dinge sehe.

Musik war und ist wie ein warmer Mantel, der mich umgibt und in den ich mich jederzeit hüllen kann. Sie sagt viel über mich aus und ich bin sicher, wer meine Musik kennt, der kennt auch mich ein Stück weit. Musik ist ein Stück Heimat, das ich immer in trage. Das ging mir vor einigen Monaten mal durch den Kopf. Und genau so ist es. Ein schönes, frohes und auch tröstliches Gefühl.

Jeder Popel fuhr ‘nen Opel

Solidarität mit Opel

Ich hoffe auf gutes Wetter für Bochum. Heute. Denn in der Stadt passiert etwas Wichtiges. Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, Ihre Solidarität mit den von der Werksschließung bedrohten Opel-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu bekunden. Quer durch alle gesellschaftlichen Schichten, vom Schauspielhaus über die Gewerkschaft bishin zum lokalen Bäcker haben sich in den letzten Tagen zahlreiche Unternehmen und Initiativen solidarisch mit den Betroffenen erklärt.

Um es klar zu sagen: Ich glaube nicht, dass das vor 50 Jahren gegründete Opel-Werk in Bochum noch eine reelle Chance hat, der Schließung zu entgehen. Zu groß sind die Managementfehler der Vergangenheit, zu ramponiert das Image, zu unklar die Zukunft der Marke an sich. Hier in der Stadt hat wahrscheinlich jeder, der schon länger hier lebt, eine wie auch immer geartete Beziehung zu Opel. Mein Vater arbeitete jahrzehntelang bei einer Bauunternehmung, die viel für Opel gearbeitet hat. Es war selbstverständlich, dass die Firmenwagen von Opel kamen. Es war für meine Brüder und mich quasi zwangsläufig, dass unsere ersten Autos jeweils von Opel kamen. Auch wenn man dafür außerhalb der Region immer schon den Preis eines milden Lächelns zahlte, fühlten sich die VW-Fahrer immer schon etwas “erhabener”, konnte ein Kadett eben nicht gegen einen Golf anstinken. “Jeder Popel fährt ‘nen Opel” war ja so ein geflügelter Spruch. Aber es war ja auch wirklich so, dass Opel hier das Straßenbild über Jahrzehnte geprägt hat.

Diese goldenen Zeiten sind vorbei, die amerikanischen Manager und oftmals auch ihre angestellten deutsche Führungskräfte, sind an Standortfragen nur aus betriebswirtschaftlichen Gründen interessiert. Menschen sind da im Kalkül eher hinderlich und werden ebenfalls auf ökonomische Größen und Kennzahlen reduziert. Dann muss man sich ja auch nicht die Gewissens- und Verantwortungsfrage stellen. Es ist am Ende bequemer.

Und gerade aus diesen Gründen finde ich es wichtig, ja geradezu meine Pflicht, den mehr als 4.000 Menschen, die mit ihren Familien seit vielen Jahren unter der ungeklärten Situation leiden, zu signalisieren, dass sie nicht alleine sind. Zu zeigem, dass es Bürgerinnen und Bürger, dass es Unternehmen gibt, die sich Gedanken über die Zukunft der Stadt machen. Bürger, die diese Stadt zukunftsfähig erhalten und vor allem weiter gestalten wollen, auch für eine Ära nach Opel. Das Schlimmste, was der Stadt und ihren Menschen passieren könnte, wäre in einer resignierten Lethargie zu versinken. Frei nach dem Motto: Wir können eh nichts gestalten und sind ‘denen da oben’ hilflos ausgeliefert.

Ich wünsche mir, dass von dem heutigen Tag ein Zeichen ausgeht, ein Impuls. Eine kleine Initialzündung, dass wir als Bürger dieser Stadt die Zukunft in dieser Stadt ein Stück weit selbst in die Hand nehmen. Dafür braucht es Ideen und Initiativen. Und Initiative heißt am Ende nicht nur reden, sondern auch handeln. Vor fast 40 Jahren haben ein paar Bochumer Bürger, die eine Schule gründen wollten, mangels Bereitschaft der lokalen Banken, dieses Risiko eingehen zu wollen, eine eigene Bank gegründet. Eine Bank, die anders war als alle Banken, die es bis dahin gegeben hat. Nun hat diese Bank, die GLS Bank, mehr als 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist aktuell als nachhaltigstes Unternehmen Deutschlands ausgezeichnet worden. Sie ist Vorbild andere, Inspiration und Anziehungspunkt.

Was könnte für Bochum das neue “Opel” sein? Wo könnten Keimzellen für zukunftsweisende Geschäfts- und Wirtschaftsmodelle liegen? Mit unseren zahlreichen Hochschulen haben wir die besten Voraussetzungen, diese Keimzellen zu entdecken. Hier wird geforscht, erprobt, gegründet. Hier gilt es, wachsam zu sein, Dinge anzuschieben, Engagement zu fördern. Wir brauchen Unternehmen und Menschen, die schon heute die Antworten auf die Herausforderungen von morgen erahnen. Das lässt sich kaum mit Rezepten von gestern erreichen.

Und deshalb ist es so wichtig, den Mut nicht sinken zu lassen, Zeichen zu setzen und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Glück auf, Bochum!

>> die wichtigsten Infos zum Thema und zum Fest findet Ihr auf “wir gemeinsam”
>> (leider ziemlich maue) Infos zum Solidaritätsfest für Opel in Bochum bei “Der Westen”

 

Und zum Schluss noch der Solidaritätssong von Nicola Mastroberardino, Ensemblemitglied am Bochumer Schauspielhaus.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt

Es gibt Zeitpunkte, bei denen ein kleiner Tropfen ausreicht, ein Fass überlaufen zu lassen. So ein Tropfen war bei mir der TV-Bericht von Monitor vom 13.12.2012. Darin ging es um die Bestrebungen von Michael Barnier, EU Innenkommissar, die Wasserversorgung innerhalb der EU grundsätzlich einer Privatisierung zu öffnen. So sollen Projekte grundsätzlich öffentlich ausgeschrieben und private Versorgungsunternehmen mitbieten können.

Auf der Zunge zergehen lassen muss man sich Barniers Begründung, die da lautete: „Weil wir Regeln brauchen. Jede deutsche Kommune wird weiterhin über ihr Wasser entscheiden können, jetzt aber geben wir ihr die Möglichkeit, das Wasser auch einem privaten Partner anzuvertrauen, jetzt wird auch das geregelt, zum Wohl des Verbrauchers. … Es wird alles so bleiben wie es ist.”

Wohin ein solches Vorgehen tatsächlich führt, zeigen EU-weit zahlreiche Beispiele. In Deutschland gibt es mit den privatisierten Berliner Wasserbetrieben ebenfalls ein trauriges Negativbeispiel. Die Behauptung, dass Wettbewerb unter Privaten zu für den Verbrauchern günstigeren Preisen führe, ist angesichts dieser Beispiele eine glatte Lüge.

Was dieses Ansinnen ebenfalls komplett negiert, ist die Tatsache, dass der Zugang zu sauberem Trinkwasser ein verbrieftes Menschenrecht ist. Liegt dieser Zugang in den Händen privater Unternehmen ist genau dies eben nicht gewährleistet. Unternehmen wie Nestlé kaufen bereits seit Jahren international große Wasservorkommen auf. Man kann sicher sein, dass es dabei weniger um Menschenrechte als vielmehr um ein langfristig lukratives Geschäft geht.

Es gibt nicht viele Dinge, für die ich protestierend auf die Straße gehen würde, aber dieses Thema gehört definitiv dazu. Daher würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr die folgende Petiotion mit Eurer Unterschrift unterstützt und dieses Thema im Freundes- und Bekanntenkreis ebenfalls weiter verbreitet.

>> Petition “Wasser ist ein Menschenrecht”

Ein gutes, erklärendes Video, das die internationalen Implikationen des Gemeinguts Wasser veranschaulicht, lege ich Euch ebenfalls an Herz. Es wurde von der Haleakala-Stiftung gefördert, einer treuhänderischen Stiftung in der GLS-Treuhand e.V.

Wer den etwas humorvolleren Zugang zum Thema schätzt, dem sei der Ausschnitt aus der ZDF-Sendung “Neues aus der Anstalt” empfohlen, in der sich Erwin Pelzig mit dem Thema auseinandersetzt:

Veränderung vs. Gelassenheit

Gelassenheit

Ich wünsche mir den Mut, die Dinge zu ändern, die in meiner Macht stehen und die es wert sind, geändert zu werden.

Und ich wünsche mir die Gelassenheit, Dinge ruhen zu lassen, die es nicht wert sind.

Vor allem aber wünsche ich mir die Gabe, das eine vom anderen unterscheiden zu können.

[frei nach Thomas Morus]

2012 war eigentlich ein solides, gutes Jahr. Allerdings mit einigen Schwächen im Abgang. Es ist nicht der gebrochene Arm an sich, sondern viel mehr die Art und Weise wie es dazu kam, die mich nachdenklich gemacht hat. “Dumm gelaufen” trifft es eigentlich ganz gut. Solche Unfälle passieren eben, wenn man mit Ärger oder Wut im Bauch die Treppen herunter rennt, anstatt ein paarmal tief durch zu atmen, und dann ganz normal und gesittet zur Tat zu schreiten.

Doch vielleicht braucht es manchmal genau diese Anlässe, damit wir uns mal wieder besinnen in unserem Alltagshamsterrad. Sich einfach mal neben sich zu stellen, sich selbst zu beobachten. Erstaunlich, wie oft man dabei bisweilen über sich selbst den Kopf schütteln könnte. Und so stehen am Anfang dieses Jahres die oben frei nach Thomas Morus formulierten Wünsche. Der Mut zu Veränderung, denn das Jahr riecht geradezu danach. Es gibt so viele spannende Projekte und Themen, die alle danach rufen, dass ich ihnen Aufmerksamkeit schenke und Zeit widme.

Aber zum anderen eben auch das dringende innere Bedürfnis nach mehr Gelassenheit. Der Wunsch, sich nicht über alles und jeden aufzuregen, nicht jede Empörungswelle mitzusurfen. Der Wunsch, nicht über jedes Stöckchen zu springen, das mir hingehalten wird. Und der Wunsch, öfter auch mal “Nein” zu sagen und auf sich selbst zu achten.

Aber wie immer ist genau das ein schmaler Grat. Ein Grat der Erkenntnis. Der (Lebens-)Erfahrung. Ich werde mir diesen Text für Dezember auf Wiedervorlage legen. Und dann wird ohne Bitterkeit zurückgeschaut. Ich bin sehr gespannt, wie die Bilanz ausfallen wird.

 

Was macht mein Zuhause zum wichtigsten Ort der Welt

HausDer Bausparfuchs hat zur Blogparade aufgerufen. Es geht um mein Zuhause. Heimat. Meine vier Wände.

Herbert Grönemeyer, Barde meiner Heimatstadt Bochum, hat einmal in einem Song gesungen, Heimat sei kein Ort, Heimat sei ein Gefühl. So ganz kann und will ich ihm da nicht folgen, denn für mich sind Orte und Gefühle oftmals eng miteinander verwoben. Heimat ist sicher nicht ein Ort. Aber Heimat ist immer auch Ort. Und zwar Bezugspunkt. Bezugspunkt zu Menschen, Erlebnissen oder einfach nur tollen Aus- und Weitblicken.

Und mein Zuhause ist ganz sicher auch Heimat. Aber nicht nur, weil es ummauerter, eingerichteter Wohn- und Schutzraum ist. Sondern weil dort Menschen leben, die ich liebe und die mir wichtig sind. Mein Zuhause wäre ohne diese Menschen weder Heimat noch der wichtigste Ort. Familie und Raum sind eng miteinander verwoben.

Wenn ich mir vorstelle, diese vier Wände allein zu bewohnen, ich käme mir selten verloren darin vor. Allein die Tatsache, dass Kinderlachen, Kochdüfte, knallende Türen, Gespräche und Musik diese Räume füllen, machten sie zum wichtigsten Ort meiner kleinen Welt. So freue ich mich, wenn ich abends von der Arbeit heimkehre, mein Rad in die Garage hänge und den Schlüssel im Schloss herumdrehe. Ich weiß, dass Raum und Menschen mich willkommen heißen, mir Herberge und Zuflucht sind. Zuhause ist dort, wo ich verstanden werden und mich nicht erklären muss, wie es von Herder einst treffend formulierte.

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Arbeitslos, das (Achtung Satire)

Das gemeine Arbeitslos, in Fachkreisen auch Beschäftigungsverhältnis oder Anstellung genannt, stellt die Berechtigung zu regelmäßiger, bezahlter und vorallem legaler Arbeit dar. Das klingt zwar relativ einfach, doch das Arbeitslos ist eine komplexe Angelegenheit.

Die Wahrscheinlichkeit, bei der werktäglich stattfindenden Ziehung der Arbeitslose ein ebensolches zu gewinnen, ist eng korrelliert mit dem Einsatz der jeweiligen Spieler. Auch hier gilt, je größer der Einsatz, desto größer die Gewinnchance. Letztere werden allerdings mitunter geschmälert von den oftmals schlecht ausgebildeten und unmotivierten Lottofeen der Bundeslosagentur.

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Verschaukelte Hebammen

Campact - Hebammen

Bildquelle: campact

Es gibt Themen, die bringen mich auf die Palme. Aber so richtig. So hohe gibt es wahrscheinlich gar nicht. Eines dieser Themen ist der Umgang dieser Gesellschaft mit Hebammen. Wenn ich gedanklich rund zweieinhalb Jahre zurückgehe, waren wir damals gerade in der Situation, dass wir uns aus bestem Grunde langsam aber sicher eine Hebamme suchen mussten.

Insbesondere bei der ersten Geburt ist das ja so eine komplett erfahrungslose “Black Box”. Wir hatten jedoch Glück und bereits bei der ersten angefragten Hebamme unseren Volltreffer gelandet. Die Chemie stimmte, wir konnten uns vorstellen, mit dieser quirligen, dennoch feinfühligen aber wenn es galt auch durchaus resoluten Person die wohl aufregendsten Stunden unseres Lebens zu bestreiten.

Ein Kriterium bei der Entscheidung für die Hebamme war damals für uns die Tatsache, dass sie einen Belegvertrag mit der Klinik unserer Wahl hatte. Wir hatten also sowohl bei der Vorbereitung, unter der Geburt als auch bei der Nachsorge immer mit ein und demselben Menschen zu tun. Diese Entscheidung stellte sich bei der langwierigen Geburt unseres Juniors als wahrer Segen heraus, denn anderenfalls hätten wir uns neben dem Geburtsstress auch noch mit mehreren Schichtwechseln herumplagen dürfen.

Warum ich das erzähle? Weil all das nun Geschichte ist. Beleghebammen gibt es nämlich fast keine mehr, landauf, landab machen die Geburtshäuser zu. Der Grund hierfür ist ein ganz simpler. Die freien Hebammen werden unter der Geburt nämlich nur mit einer lächerlichen Pauschale bezahlt, die – wie in unserem Fall – zu Stundenlöhnen weit unterhalb von 5 Euro führen. Das ist aber noch nicht alles. Hinzu kommt noch, dass sich die Hebammen gegen Geburtsfehler Haftpflicht versichern müssen. Continue reading

Mettikette – Plädoyer für einen würdevollen Umgang mit Mett

Bildquelle: qw8dl auf flickr

Spätestens seit die sozialen Netzwerke Mett als Grundnahrungsmittel entdeckt haben und Veranstaltungen wie twettwochs, meetups und internationale Tage des Metts ihren Lauf nehmen, ist es Zeit, dem Mett seine Würde zurückzugeben. Was hat man nicht alles schon für unschöne Dinge aus Mett erblicken müssen, was für durchgelabberte Mettbrötchen wurden einem schon feil geboten?

Höchste Eisenbahn für eine Mettikette, wie ich meine. Gerne könnt Ihr sie in den Kommentaren nach Belieben ergänzen:

  1. Das Mett muss frisch (nicht älter als 3 bis 4 Stunden). Am besten natürlich Bio. Bitte kein Pseudomett aus dem Schlauch.
  2. Ins Mett gehören keine Kräuter. Sonst könnt Ihr auch den Schnitt vom letzten Rasenmähen essen.
  3. Unter das Mett gehört ein frisches, knuspriges (!!!) Brötchen. Bitte keine Aufback- oder Vorabendware.
  4. Zwischen Mett und Brötchen gehört gute Butter.
  5. Mettbrötchen werden nach der Zubereitung sofort verzehrt. Insbesondere der Transport unter “Frischhaltefolie” ist strengstens untersagt.
  6. Auf Mettigel sind zu vermeiden. Oder wie würdet Ihr Euch in einer Stachelschweinverkleidung fühlen?
  7. Falls doch Mettigel, so gehören keinesfalls Salzstangen darauf. Der Erfinder dieser Variante gehört mit Altmettkonsum nicht unter 5 Jahren bestraft. Bei der Mettigelgestaltung sind ganze, geschälte Mandeln zu benutzen.
  8. Auf das Mettbrötchen gehören ausschließlich, und ich betone noch einmal, auschließlich fein (!!!) geschnittene oder gehackte Schalotten. Bitte keine groben Gemüsezwiebeln, die den Geschmack übertünchen und nach deren Konsum man noch zehn Meilen gegen den Wind danach riecht.
  9. Als Würze sind ausschließlich frisch gemahlener Pfeffer, sowie Salz in Maßen erlaubt.
  10. Nach dem Mettkonsum bitte Zahnseide benutzen. Es ist einfach nicht schön, wenn der Chef am nächsten Morgen noch sieht, was es gestern zu Essen gab.

Wenn Ihr diese Regeln fein beachtet, steht einem würdevollen Mettvergüngen nichts mehr im Wege.

In diesem Sinne “Glück auf” und “nice to mett you” ;-)