Was macht mein Zuhause zum wichtigsten Ort der Welt

HausDer Bausparfuchs hat zur Blogparade aufgerufen. Es geht um mein Zuhause. Heimat. Meine vier Wände.

Herbert Grönemeyer, Barde meiner Heimatstadt Bochum, hat einmal in einem Song gesungen, Heimat sei kein Ort, Heimat sei ein Gefühl. So ganz kann und will ich ihm da nicht folgen, denn für mich sind Orte und Gefühle oftmals eng miteinander verwoben. Heimat ist sicher nicht ein Ort. Aber Heimat ist immer auch Ort. Und zwar Bezugspunkt. Bezugspunkt zu Menschen, Erlebnissen oder einfach nur tollen Aus- und Weitblicken.

Und mein Zuhause ist ganz sicher auch Heimat. Aber nicht nur, weil es ummauerter, eingerichteter Wohn- und Schutzraum ist. Sondern weil dort Menschen leben, die ich liebe und die mir wichtig sind. Mein Zuhause wäre ohne diese Menschen weder Heimat noch der wichtigste Ort. Familie und Raum sind eng miteinander verwoben.

Wenn ich mir vorstelle, diese vier Wände allein zu bewohnen, ich käme mir selten verloren darin vor. Allein die Tatsache, dass Kinderlachen, Kochdüfte, knallende Türen, Gespräche und Musik diese Räume füllen, machten sie zum wichtigsten Ort meiner kleinen Welt. So freue ich mich, wenn ich abends von der Arbeit heimkehre, mein Rad in die Garage hänge und den Schlüssel im Schloss herumdrehe. Ich weiß, dass Raum und Menschen mich willkommen heißen, mir Herberge und Zuflucht sind. Zuhause ist dort, wo ich verstanden werden und mich nicht erklären muss, wie es von Herder einst treffend formulierte.

Als wir seinerzeit das Haus fanden, war es Liebe auf den ersten Blick. Warum, das konnten weder die Beste noch in damals in Worte fassen. Es war gar nichts besonderes, in das wir uns da verguckt hatten. Kein stylischer Neubau, kein extravagantes Chichi. Schlicht und einfach eine ganz konventionelle Doppelhaushälfte, wie man sie in den 80ern zuhauf gebaut hat. Ein Haus, das noch wie ein Haus aussah. Ein kleine Scholle Gartengrün, die dem bei uns beiden nicht gerade ausgeprägten grünen Daumen sehr entgegenkam und dennoch Platz zum Spielen für (damals noch in Planung befindliche) Kinder bot. Wir fühlten uns auf Anhieb wohl. Es brauchte keine Anlaufzeit, keine Eingewöhnung.

Nun machen wir im nächsten Monat die ersten vier Jahre voll. Vier Jahre, in denen wir Besitz ergriffen haben, gestaltet haben, umgeräumt, ausgeräumt, gepinselt, saniert und renoviert. Das Haus lebt mit uns. Und wir mit ihm. Es hört unsere Gespräche, es teilt Freude und Leid mit uns. Es akzeptiert wie selbstverständlich neue Mitbewohner. Freut sich über Kinderlachen, Fußballspielen und Bobbycarfahrten im Wohnzimmer. Wir können im nichts verheimlichen. Aber es schweigt sich fein leise dazu aus. Es wertet nichts. Es reagiert nicht bockig.

Und manchmal, ganz manchmal, da liege ich nachts wach und lausche den knarzenden Holzbalken im Dach. Wie sie durch Wind oder Wärme arbeiten, sich spannen oder entspannen. Ich lausche dem Wind, der sich am Dach fängt. Dem Regen, der auf die Dachflächenfenster prasselt. Und dann weiß ich, dieser Ort ist der wichtigste meiner kleinen Welt.

Oder, um es mit Novalis zu sagen: „Wo gehen wir nur hin? Immer nach Hause.“

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