Verschaukelte Hebammen

Campact - Hebammen

Bildquelle: campact

Es gibt Themen, die bringen mich auf die Palme. Aber so richtig. So hohe gibt es wahrscheinlich gar nicht. Eines dieser Themen ist der Umgang dieser Gesellschaft mit Hebammen. Wenn ich gedanklich rund zweieinhalb Jahre zurückgehe, waren wir damals gerade in der Situation, dass wir uns aus bestem Grunde langsam aber sicher eine Hebamme suchen mussten.

Insbesondere bei der ersten Geburt ist das ja so eine komplett erfahrungslose “Black Box”. Wir hatten jedoch Glück und bereits bei der ersten angefragten Hebamme unseren Volltreffer gelandet. Die Chemie stimmte, wir konnten uns vorstellen, mit dieser quirligen, dennoch feinfühligen aber wenn es galt auch durchaus resoluten Person die wohl aufregendsten Stunden unseres Lebens zu bestreiten.

Ein Kriterium bei der Entscheidung für die Hebamme war damals für uns die Tatsache, dass sie einen Belegvertrag mit der Klinik unserer Wahl hatte. Wir hatten also sowohl bei der Vorbereitung, unter der Geburt als auch bei der Nachsorge immer mit ein und demselben Menschen zu tun. Diese Entscheidung stellte sich bei der langwierigen Geburt unseres Juniors als wahrer Segen heraus, denn anderenfalls hätten wir uns neben dem Geburtsstress auch noch mit mehreren Schichtwechseln herumplagen dürfen.

Warum ich das erzähle? Weil all das nun Geschichte ist. Beleghebammen gibt es nämlich fast keine mehr, landauf, landab machen die Geburtshäuser zu. Der Grund hierfür ist ein ganz simpler. Die freien Hebammen werden unter der Geburt nämlich nur mit einer lächerlichen Pauschale bezahlt, die – wie in unserem Fall – zu Stundenlöhnen weit unterhalb von 5 Euro führen. Das ist aber noch nicht alles. Hinzu kommt noch, dass sich die Hebammen gegen Geburtsfehler Haftpflicht versichern müssen.

Und eben diese Prämien werden von Jahr zu Jahr teurer und teurer, sodass die wirtschaftliche Existenz vieler Hebammen massiv gefährdet ist, wenn sie ihrer eigentlichen Profession, der Geburtshilfe (und nicht nur der Vor- und Nachbereitung) nachgehen wollen. Die Beiträge hier haben sich in den letzten 10 Jahren verachtfacht. Wenn ich sehe, welche Leistungen vom ärztlichen Personal für die Geburtshilfe in Rechnung gestellt wurden und dies ins Verhältnis zur Leistung unserer Hebamme setze, besteht ein mehr als krasses Missverhältnis.

Daher bitte ich Euch, als kleines Zeichen der Solidarität den momentanen Appell von campact zu unterstützen, zu unterzeichnen und weiterzuverbreiten. Wir sollten diesen so wichtigen und erfahrenen Menschen endlich ein Stimme geben und ein klein wenig Hoffnung machen, dass sich ihre Situation vielleicht doch noch ändern lässt. Danke!

Hier geht es zur campact-Seite! (Die Aktion ist abgelaufen)

Eine 5.Minuten-Info zum Thema findet Ihr hier!

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Edit 19. Februar 2014:

Eine aktuelle Petition könnt Ihr hier unterzeichnen. Bitte macht zahlreich mit. Das Anliegen ist wirklich wichtig.

>> weiter zur Petition

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Ein schräger Ton zu “Verschaukelte Hebammen

  1. Ach ja….den habe ich natürlich bereits unterschrieben. Wenn man in einem medizinischen bzw. sozialen Bereich arbeitet ist man fast immer chronisch unterbezahlt :-/. Zudem fehlt auch noch meist die Zeit sich für die eigenen Rechte einzusetzen. Von den Wohlverdienern kassiert man dann des Öfteren noch den mit Häme ausgesprochenen Satz, dass man ja einen anderen Beruf hätte wählen können.

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