Der Zug ist abgefahren. Also nicht der für die BioFach. Meiner. Ich rolle entspannt mit der Bahn gen Heimat und versuche, meine Gedanken und Eindrücke zur BioFach zu strukturieren und ein abschließendes Fazit zu ziehen.
Um beim Zugbild zu bleiben, ich habe sehr stark das Gefühl, dass der Biozug mit Volldampf unterwegs ist und ordentlich von der Regionalbahn zum internationalen Schnellzug aufgepimpt wurde. Beim Schlendern durch den riesigen Innovationsbereich in Halle 9 komme ich aus dem Kopfschütteln bisweilen nicht raus. In der Rubrik Grundnahrungsmittel (!!!) werden Bio-Dauerlutscher und Bio-Kartoffelchips ausgestellt. Ich frage mich, wie ich meinem Sohn irgendwann glaubhaft klarmachen soll, das dem nicht so ist. Auch über eingeschweißte Demeter-TK-Pizza kann man natürlich schmunzeln. Wobei ich letzteres unter der Kategorie „innere Widersprüche“ abhandeln würde. Wenn schon tiefgekühlt, dann wenigstens so gesund wie möglich.
Kopfschütteln kann ich allerdings nur noch, wenn ich Bio-Fairtrade-Kaffee oder Biosaft in Weißblechdosen sehe. Da sollte doch auch der oder die Letzte merken, das irgendetwas nicht stimmt.
Aber es gibt auch die anderen Dinge. Leckere Wurst aus eigener Schlachtung der Landmetzgerei. Tolle neue Keksvarianten oder Schokolade in allen Variationen und Geschmacksrichtungen. Oder Biomilcheis, das es locker mit Ben & Jerries aufnehmen kann.
Was auch in diesem Jahr wieder ins Auge springt, ist die immer weiter voranschreitende Professionalisierung der Branche. Der „Zottelfaktor“ ist im Laufe der Jahre deutlich rückläufiger. Ein Indiz, dass Bio im „Mainstream“ angekommen ist? Ich weiß es nicht. Bei mir bleibt ob mancher Entwicklungen – inbesondere wenn ich mir die Herkunftsländer der Produkte oder die Produktionsverfahren anschaue – die Freude getrübt. Und letztere wird auch durch andere Dinge noch getrübt. Die wenigen Vorträge, die ich besucht habe, lassen mich mit großen inneren Fragezeichen zurück. Da ist von Neuro-Marketing im Biosektor die Rede, da wird darüber das grüne Produkte auch grün gewaschen werden müssen. Da wird auf Schleckerniveau über den unmündigen Konsumenten gelächelt, das die Schwarte kracht. Auf einem anderen Podium sitzen gelangweilte Social Business-Startupler und schwandronieren darüber, warum ihre Angebote ach soviel besser sind und warum es ach so wichtig ist, authentisch zu sein.
Authentisch ist wohl eines der am meisten missbrauchten Worte der letzten Tage. Es ist so schal, so verlogen, so abgenutzt. Von denen, die dort sitzen, ist nämlich kaum einer authentisch. Das hieße nämlich, zu seinen inneren Widersprüchen zu stehen. Zur Dialektik des Alltags, die uns nämlich neben dem Bioladen auch im konventionellen Supermarkt kaufen lässt. Die uns trotz des Radwegs zur Arbeit bei der Urlaubsreise in einen Flieger einsteigen lässt. All das wird nicht benannt. Nein, es wird gar fein verschwiegen. Man sonnt sich im Licht der eigenen Eitelkeit. Der Impetus des moralisch erhoben Zeigefingers ist allgegenwärtig. Das ist es, was mich traurig macht. Offensichtlich sind Marketing und Kommunikation im Bio-Bereich keinen Deut besser als im konventionellen Markt. Es wird von Beratern frechweg behauptet, die Konsumenten seien mit der Komplexität überfordert. Ich erlebe das komischerweise anders. Ich erlebe Menschen, die den Dingen auf den Grund gehen wollen, die unbedingte Offenheit und Ehrlichkeit fordern. Keine selektive Transparenz dort, wo es gerade unternehmensstrategisch passt.
Aber ich will hier nicht nur unken und so tun, als käme ich verbittert und vergrämt heim. Denn so ist es ganz und gar nicht. Die BioFach war auch wieder Ort vieler schöner Begegnungen mit lieben, herzlichen und ganz und gar offenen Menschen. Menschen mit denen man Lachen, an denen man sich reiben und von denen man sich inspirieren lassen konnte. Ich bin der Messe Nürnberg sehr dankbar, dass sie uns Bloggerinnen und Bloggern auch in diesem Jahr wieder Raum und Rahmen für ein Netzwerktreffen gegeben hat. Fast 40 Menschen unterschiedlichster Disziplinen kamen dabei zusammen. Bei gutem Essen, leckeren Getränken und angenehmer Musik wurde fleißig diskutiert. Jeder warf andere Fragen auf, hatte andere Anliegen und Baustellen, tolle Ideen. Ich bin gespannt, wie die geknüpften Fäden auch nach der Messe weiter verwoben werden können.
Mein besonderer Dank für Austausch und Inspiration geht in diesem Jahr vor allem an Hendrik, Sina, das Team von Sonnentor, Christian, Klaus, Kay, Susanne, Matthias, Herwig, Johannes, Manja und alle, die ich jetzt vergessen habe. Es ist schön, Euch wiedergesehen und eine gute Zeit mit Euch verbracht zu haben. Ich hoffe, Ihr regeneriert Euch alle gut. Auf Wiedersehen, spätestens zur BioFach 2012. Ich freue mich drauf.
Weitere Rückblicke findet ihr hier, hier und hier … Und hier die offiziellen Bilder.
18. Februar 2012









Hurra..es gibt bislang 3 Kommentare ;)
Hab mich gefreut, Dich wieder zu treffen, so ein Bloggertreffen hat schon was.
Danke für den Hinweis mit dem falschen Namen (wird natürlich gleich korrigiert)
und die Verlinkung.
Leckere Grüße,
Peter
Ich wusste gar nicht, dass sich Blogger auch mal außerhalb des Netzes treffen. Super coole Idee.