Beim Studium der traurigen Nachrichten des heutigen Wirtschaftsteils sprang es mir wieder ins Gesicht, das Wort “sozialverträglich”. Hintergrund sind die geplanten massiven Stellenstreichungen beim Energieriesen E.ON.
Die 6.000 Stellen werden aus “Kostengründen” gestrichen. Wahrscheinlich hat wieder eine Horde überbezahlter Sanierungsberater mit spitzem Bleistift gerechnet, wieviele “Potenziale” mit dem Rausschmiss von Menschen “freigesetzt” werden können.
Doch was ist an der Einigung zwischen E.ON und Verdi wirklich “sozialverträglich”? Die Menschen werden nicht entlassen, sondern in Vorruhestand geschickt. Aber ihre Arbeit sind sie dennoch los. Nur auf eine etwas elegantere Art und auf Kosten der Sozialkassen. Die Solidargemeinschaft kommt einmal mehr für Managementfehler bzw. entscheidungen auf. Wie die Betroffenen sich damit fühlen, dass man ihnen ihre Aufgabe nimmt? Interessiert keinen.
Diejenigen, die nicht in den Vorruhestand geschickt werden können, werden “umgesiedelt” in “Qualifizierungsgesellschaften” (noch so ein Unwort), und wenn die auch nichts bringen, dann kommen die “Transfergesellschaften”. Doch was passiert in den oftmals gewerkschaftseigenen Qualifizierungsgesellschaften? Die Leute werden in irgendwelche Schulungen und Maßnahmen gezwungen, die weder ihren eigenen Bedürfnissen und Neigungen noch den Anforderungen des Arbeitsmarktes entsprechen. Oft genug sind es “Verwahrinstitutionen”, die Menschen mürbe machen. Von den unsäglichen Transfergesellschaften, den “Resterampen” des “sozialverträglichen Abbaus”, ganz zu schweigen. Wer dort landet, ist am Ende. Oft genug berichten Betroffene von Mobbing, unsäglichem psychischem Druck und dem traurigen Gefühl des “Nicht mehr gebraucht-Werdens”.
Parallel dazu schwadroniert der Verdi-Vertreter im Radio von einem “Verjüngungsprozess im Konzern”, von einem “dynamischen Umbau” – hört der sich selbst noch zu? Wo sind Verantwortung und Moral geblieben? Gefressen von der Gier der Kapitalmärkte mit ihren Institutionen und Aktionären. Ekelhaft. Wie wäre es mal mit einem sozialverträglichen Umbau der Betriebswirtschaftslehre? Ich finde, es wird höchste Zeit, dass Ethik wieder Pflichtteil des Studiums wird.
Aber wahrscheinlich bin ich nur einer dieser hoffnungslosen Sozialromantiker. Entschuldigt bitte. Aber ich kann und will nicht anders.
25. Januar 2012









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