post Kategorie: Alltagskram,Familie,Leben post Kommentare (3) post8. November 2009

Gestern hat sich zum 13ten Mal der Tag gejährt, an dem meine Lieblingsoma gestorben ist. Sie war die letzte meiner Omas und Opas und zugleich diejenige, die mich am meisten geprägt hat.

Auch wenn unser Altersabstand mit 72 Jahren sehr groß war, habe ich immer eine große Nähe zu ihr verspürt. Sie gab mir in schwierigen Situationen Rückhalt und war mir in ihrer Unabhängigkeit und in ihrem nahezu unerschütterlichen Optimismus Vorbild. Sie hatte bereits in den 20er Jahren als Köchin gearbeitet und war dabei vom Rheintal bis nach Helgoland ganz schön herumgekommen.

Viel zu früh starb Anfang der 60er Jahre dann mein Opa. Doch ihre innere Unabhängigkeit hatte Sie sich bewahrt. Weiter fuhr sie in Urlaub, unterstützte Ihre Familie und kümmerte sich liebevoll mit um uns Enkel. Noch heute vergeht kaum eine Familienfeier, ohne dass irgendwann Dönekes von ihr zum besten gegeben werden. Legendär waren Ihre zu Weihnachten präparierten Walnüsse, die mit Markstücken gefüllt waren. Auch ihr Heringssalat, dessen Rezept sie uns partout nicht verraten wollte, ist wird bei diesen Gelegenheiten immer wieder vermisst.

Oma war eine stolze Frau mit unerschütterlichem Lebensmut und -willen. In vielem war sie mir Vorbild. Ganz nachhaltig ist mir ein Satz in Erinnerung geblieben, den sie mir immer wieder in schönstem Ruhrdeutsch sagte, wenn an Tagen so gar nichts zusammenlief:

“Junge, et gibt Tage, da tuste bei.”

Noch heute zaubert mir der Gedanke an diesen Satz ein leises Grinsen ins Gesicht. Er relativiert an Tagen, an denen alles schief zu laufen scheint, das Selbstmitleid und lässt mich Abstand zu den Dingen gewinnen. Irgendwann habe ich beschlossen, diese Tage im Gedenken an Oma auch “Omatage” zu nennen.

Wenn ich diesen Satz nun im Freundes- oder Kollegenkreis erzähle, spüre ich auch hier das innere Grinsen. Ihr Satz wird adaptiert und immer wieder zitiert. Ich freue mich in diesen Momenten, dass Sie so auch in den Gedanken und Herzen von Menschen ihren Platz findet, die sie nie kennenlernen durften.

Im nächsten Jahr wird ihr Grab eingeebnet. Es wird dann keinen Ort mehr geben, an dem ich sie besuchen und stille Zwiesprache mit ihr halten kann. Umso mehr bin ich froh, diesen Satz und viele weitere schöne Erinnerungen in mir zu tragen. Oder, um es mit Trude Herrs Worten zu sagen:

“Irgendwas von ihr bleibt hier …”

Hurra..es gibt bislang 3 Kommentare ;)

#1

[...] ich meine alte Oma sehr gemocht habe, schrieb ich ja schon des Öfteren. Sie war eine ziemlich selbstbewusste und mutige Frau. Zumindest, wenn man ihr Leben im Kontext [...]

jazzlounge | all that jazz of my life » Oma’s Beste geschrieben am 8. Juli 2010 - 20:57
#2

Danke :)

Frau E. geschrieben am 25. November 2010 - 08:16
#3

Bei meiner Oma hieß es dann immer “So wie et wurd, so wull ek dat”. Auch eine Art, die Dinge zu sehen.

Schön geschrieben und sehr nah an dem, wie ich mich an meine Oma erinnere (und sie vermisse)

Jule geschrieben am 17. Oktober 2011 - 20:54
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