post Kategorie: Bahnblogging,Jazzer unterwegs post Kommentare (0) post19. Dezember 2005

Und abermals kann ich über ein neues Kapitel in Sachen Bahnverspätung berichten, die neue Woche hätte blöder kaum anfangen können. Nasskaltes Winterwetter schlägt mir entgegen, als ich die Treppe zum Bahnsteig von Gleis 5 des Hauptbahnhofs erklimme. Auf der einen Schulter die Notebook- auf der anderen die Anzugtasche schlage ich schnell den Kragen meiner dicken Winterjacke hoch und setze mir die wärmende Kapuze auf. Von einem Bein auf das andere steigend um die Kälte aus den Füßen zu vertreiben, hoffe ich, dass die Bahn die Verspätungen der letzten Woche nicht wiederholen wird und ausnahmsweise mal pünktlich einfährt.

Als würden meine geheimen Wünsche erhört, tauchen pünktlich auf die Minute die beiden Lichter des Triebkopfes (welch wunderbares Wort übrigens) aus dem Dunkel der Nacht auf. Im Gegensatz zu seinem Kollegen vom letzten Freitag denkt der Lokführer auch ohne besondere Aufforderung durch das Bahnhofspersonal daran, die Türen freizugeben, so dass einem Einstieg ins warme Innere nichts mehr entgegen steht. Dort mache ich es mir so gut es geht gemütlich und versuche, ein wenig des in der Nacht zuvor zu kurz gekommenen Schlafes nachzuholen.

Bis Hamm verläuft die Fahrt, lediglich unterbrochen von den freundlichen Durchsagen des pflichtbewussten Zugchefs, ruhig und vor allem pünktlich. Dort bittet er jedoch um unsere Aufmerksamkeit, was dazu führt, dass alle wichtigen Mitreisenden ihre Telefonate unterbrechen und ich mir eilig die Ohrstecker aus den Ohren hole. Aufgrund der Witterung (leichter Nieselregen bei einstelligen Plusgraden – für die Bahn kann das schon eine Herausforderung sein) könne man die Kupplungklappen der beiden Zugteile, die hier zusammengefügt werden sollen, nicht öffnen. Die Weiterfahrt verzögere sich daher um wenige Minuten.

Nach geschlagenen 18 Minuten ruckelt es tatsächlich und wir setzen die Fahrt fort. Nana Mouskouris “New York Sessions” (jahaa, die Frau kann auch anders!) schmeicheln mir sanft ins Ohr und lullen mich soweit ein, dass ich wieder sanft dahin schlummere. Die Fahrt geht zügig weiter. Doch kurz nachdem wir die Stadt, die es nicht gibt, passiert haben, bremst der Zug auf freier Strecke ab und kommt zum stehen. Abermals wird es still im Wagen, alle warten gespannt auf die nächste Durchsage. Diese kommt auch prompt und verkündet in knappen, aber leider eindeutigen Worten das, was wir alle nicht hören wollten.

Aufgrund eines Leichenfundes am Gleisbett verzögert sich unsere Weiterfahrt. Der Zug wird umgeleitet. Wir werden Hannover – beide Verspätungen zusammengerechnet – mit ca. 80 bis 90 Minuten Verspätung erreichen.” Schon wieder ein Personenschaden also, denke ich bei mir. Es scheint eine gute Zeit zum Sterben zu sein. Verzweiflung allenthalben, den Kopf auf die Schienen legen als einziger Ausweg.

Abermals starte ich mehr nachdenklich und traurig als ärgerlich in die neue und hoffentlich letzte Arbeitswoche des Jahres. Und während draußen langsam grauverschneite Felder, Wälder und Ortschaften vorbeizeihen, über denen die dicken, weißen Flocken tanzen, singt Rebekka Bakken mit melancholischer Stimme “Cover Me With Snow“.

Gonna lay this body down,
cover me with snow,
fall asleep with crystals
falling silent from above.

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