
Und abermals ein kleines, aber feines Kapitel aus der Welt der Bahnreisen des Jazzers. Ort des GrauensGeschehens diesmal: Wagen 27 im ICE 542 von Berlin ins Rheinland. Es ist Freitag Abend, und die Wagen erster Klasse sind nicht, wie man meinen könnte, mit Business- oder Polit-Wochenendpendlern gefüllt sondern mit haufenweise wohlhabenden Rentiers. Frisch blondiert, in rosa Jäckchen und Schühchen, mit protzigen Geschmeiden behängt und das Gesicht in nicht unbedingt altersbedingte Furchen gelegt, wird drauflos schwadroniert, was das Rentnerhirn hergibt.
Es fängt mit “den Grünen”, “diesen “unsäglichen Schwerverbrechern” an, die die deutsche Atomwirtschaft total kaputt gemacht haben, wo die doch so viele Arbeitsplätze sicherte, und geht weiter über “man muss den Enkeln heutzutage die Freunde schon genau aussuchen” bishin zu Tante Mieze und ihren Erbschleichern, die der frisch Blondierten doch tatsächlich die fest zugesagte Jehudi-Menuhin-Sammlung vorenthalten haben. Es endet schließlich damit, dass man nur hoffen könne, dass “die Merkel” gewählt würde, schließlich wisse man gar nicht, wohin man seine Hunderttausende, die man bzw. frau auf dem Konto habe, vor der drohenden Vermögenssteuer in Sicherheit bringen solle.
Angewidert stopfe ich mir draufhin schnell meine In-Ear-Phones in dieselbigen und lausche den fantastischen Tönen von Till Brönners “Höllentour”-Soundtrack. Warum ich dabei jedoch ständig an das Thema “aktive Sterbehilfe” denken muss, will ich hier jetzt nicht weiter erläutern.
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5. September 2005









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